Freitag, 25. September 2026

Ein Fall für Inspektor Carter:
Tod auf zwei Rädern

Überführen Sie den Täter

Tod auf zwei Rädern

Von John Miller

2000 Zeichen
Bisher war es Inspektor Carter nicht gelungen, den Täter zu finden, der die Lenkung von Harry Bensons schwerem Enduro-Motorrad so manipuliert hatte, dass der Unternehmer bei seinem Wochenendtrip tödlich verunglückt war.
"Die Manipulation ist mit großem Sachverstand durchgeführt worden", hieß es im Bericht des Kriminallabors. "Ab Tempo 80 war die Maschine nicht mehr zu beherrschen. Der Täter muss Motorrad-Experte sein."
Davon gab es in Harry Bensons Umgebung nur zwei: seinen Sohn Jeffrey und seinen Bruder Lionel. Beide hatten mit Harry in der Villa am Stadtrand gelebt, in deren Garage die Enduro stand. Dort standen auch die beiden Motorräder, mit denen Lionel Benson Amateur-Rennen fuhr. 
"Ich bin erst am Mittwoch, also drei Tage vor dem Tod meines Vaters, mit der Enduro unterwegs gewesen", hatte Bensons Sohn Jeffrey erklärt. "Da war die Maschine vollkommen in Ordnung. Also kommt wohl nur Onkel Lionel für die Tat in Frage."
Lionel dagegen behauptete: "Normalerweise war Jeffrey jeden Tag mit der Maschine seines Vaters unterwegs. Nur hat er sie nach seinem Trip am Mittwoch bis zu dem Sonntag, an dem Harry verunglückte, nicht mehr angerührt."
An jenem Sonntag war Harry gegen zehn Uhr vormittags losgefahren. Um elf war er verunglückt.
"Ich war von Freitag bis Sonntag mit Freunden auf einem Segeltörn", hatte Jeffrey ausgesagt. "Als ich Sonntag heimkam, fuhr Vater gerade mit der Enduro aus der Garage."
Carter blätterte die Ermittlungsakte abermals durch und fand die Kopie eines Strafmandats, das sich Harry Benson am Samstag, einen Tag vor seinem Tod, eingehandelt hatte - er war mit 130 Sachen geblitzt worden. Kurz darauf sagte der Inspektor zu Lionel Benson: "Sie haben die Maschine Ihres Bruders manipuliert. Das ist ganz klar."
Wie kam Carter zu dem Schluss?

Lösung:
Am Samstag war Harry noch mit dem Motorrad unterwegs. Die Maschine musste also danach manipuliert worden sein. Sohn Jeffrey kam dafür nicht in Frage, weil er zu dieser Zeit segeln war.
Distr BULLS

Tod auf zwei Rädern

Von John Miller


Als Inspektor Carter die Mordakte Benson auf den Schreibtisch bekam, klebte ein Zettel von seinem Vorgesetzten daran: "Bitte kümmern Sie sich doch einmal um den Fall! Die Kollegen des Reviers in Charleston Heights kommen nicht weiter!" 
Carter blätterte die Akte durch und sah bald das Problem, mit dem sich die Kollegen herumschlugen: Bisher war es ihnen nicht gelungen, den Täter zu finden, der die Lenkung von Harry Bensons schwerer Enduro-Geländemaschine so manipuliert hatte, dass der Unternehmer auf dem letzten seiner regelmäßigen Wochenendtrips in einer Kurve die Gewalt über das Motorrad verloren hatte und tödlich gestürzt war. Als Besitzer einer Kette von Tankstellen und Autowaschanlagen war Harry Benson nicht nur einer der wohlhabendsten, sondern auch der geachtetsten Bürger der kleinen Gemeinde vor den Toren Londons gewesen.
Dabei hatten die Ermittlungen der Kollegen dort vielversprechend begonnnen - mit dem Bericht des Kriminallabors, in dem klar festgestellt wurde:
"Die Manipulation an der Brixton Enduro MX des Opfers ist mit großem Sachverstand durchgeführt worden und führte dazu, dass die Maschine schon bei Tempo 70 unlenkbar wurde." Außerdem hieß es im Bericht des Technikexperten, der das Wrack untersucht hatte: "Ein Laie wäre dazu nicht in der Lage gewesen. Der Täter muss Experte für schwere Motorräder sein - wahrscheinlich arbeitet er in einer Motorradwerkstatt oder ist im Rennbetrieb beschäftigt."
Das traf allerdings auf alle beiden Verdächtigen in Harry Bensons Lebensumfeld zu: seinen Sohn Jeffrey und seinen Bruder Lionel. Beide hatten mit Harry in dem herrschaftlichen Haus am Rand der Gemeinde gelebt, in dessen großer Garage mit angeschlossener kleiner Spezialwerkstatt die Brixton Enduro gestanden hatte. In der Garage standen auch die beiden schweren Motorräder, mit denen Harrys Bruder Lionel regelmäßig an Amateur-Rennen teilnahm. Und Jeffrey, der Sohn des Toten, hatte seiner Leidenschaft fürs Motorradfahren mit den Maschinen seines Vaters und seines Onkels gefrönt. Außerdem unterstützte er seinen Onkel Lionel hin und wieder als Techniker bei seinen Renn-Einsätzen. Jeder der beiden hätte seine Chance nutzen können, um Harry Bensons Enduro zu manipulieren. Es war bekannt, dass Harry an jedem Sonntag eine ausgedehnte Motorradpartie unternahm, die ihn auf der ausgebauten Landstraße einmal rund um den Charleston Lake führte und dann zurück über die kurvenreiche Strecke durch den Isherwood Forest.
"Ich bin erst am Mittwoch, also drei Tage vor dem Tod meines Vaters mit der Enduro unterwegs gewesen!", hatte Jeffrey erklärt. "Da war die Maschine vollkommen in Ordnung. Also kommt wohl nur Onkel Lionel für die Manipulation in Frage."
Lionel dagegen behauptete: "Normalerweise war Jeffrey jeden Tag mit der Maschine seines Vaters unterwegs. Nur hat er sie nach seinem Trip am Mittwoch nicht mehr angerührt. Und als Harry am Sonntag mit der Enduro losfuhr, hat Jeffrey ihm noch 'Gute Fahrt!' gewünscht."
Das war am Sonntag gegen zehn Uhr vormittags gewesen. Um elf war Harry Benson verunglückt.
"Ich habe meinen Vater am Sonntag nur kurz gesehen", hatte Jeffrey dazu ausgesagt. "Ich war von Freitag bis Sonntag mit Freunden auf einem kleinen Segeltörn. Als ich Sonntag heimkam, fuhr Vater gerade mit der Enduro aus der Garage, um auf seine Tour zu gehen!"
Carter blätterte die Akte weiter durch und fand die Kopie eines Strafmandats, das sich Harry Benson am Samstag, einen Tag vor seinem Tod, wegen zu schnellen Fahrens mit seiner Enduro eingehandelt hatte. Eine Streife hatte ihn gestoppt, als er mit 110 Sachen über die Landstraße gerast war.
Carter rief seinen Vorgesetzten an. "Lionel Benson hat die Maschine seines Bruders manipuliert", sagte er. "Das ist ganz klar."
Wie kam Carter zu dem Schluss?

Lösung:
Am Samstag war Harry noch mit dem Motorrad unterwegs. Die Maschine musste also danach manipuliert worden sein. Sohn Jeffrey kam dafür nicht in Frage, weil er zu dieser Zeit segeln war.
Distr BULLS   
 

(C) by BULLSMEDIA and author
Lizenz #1182 
Erschienen in:
prisma WEST und prisma OST
Heft 3/2014 



Ein Fall für inspektor Carter:
Zeuge in Angst

Überführen Sie den Täter

Zeuge in Angst

Von John Miller

Die Botschaft auf dem Zettel, den ein Unbekannter an Olivers Hillmans Haustür hinterlassen hatte, war eindeutig: "Wenn du aussagst, bist du tot!"
Inspektor Carter wusste, worum es ging - Hillman war der Hauptzeuge im Prozess gegen die Brüder Mike und Harry Greason. Sie hatten Steuern in Millionenhöhe hinterzogen.
"Ich sah einen Mann im Kapuzenshirt durch meinen Vorgarten kommen", sagte Hillman. "Er heftete diesen Zettel an meine Tür und machte sich durch mein Geranienbeet davon, ehe ich öffnen konnte. Er stolperte und knickte mit dem Fuß um, aber schaffte es dann doch, in einen schwarzen Mini zu springen und davonzubrausen."
Zum Glück hatte eine Überwachungskamera den Wagen gefilmt - und man konnte ihn anhand des Nummernschildes identifizieren. Er war auf die Firma der Greasons zugelassen.
Gleich darauf klingelte der Inspektor bei den Brüdern Greason. Harry Greason öffnete im Trainingsanzug. "Ich trainiere gerade!", sagte er. Im Wohnzimmer stieg er wieder auf den Stepper, der vor dem Fernseher stand. "Egal was Sie mir vorwerfen wollen - ich war den ganzen Abend hier", erklärte er. 
Sein Bruder Mike saß gelangweilt auf dem Sofa. 
"Und Sie?", fragte Carter ihn.
Mike schaltete den Fernseher aus. "Ich auch." 
Als Carter sich in der Diele umsah, entdeckte er ein paar Straßenschuhe, an denen noch Erde und Blütenblätter einer Geranie hafteten.
"Wem gehören die Schuhe?", fragte er.
Mike sah auf. "Meine sind es nicht." 
Harry lächelte Carter an. "Und ich sage: Meine Schuhe sind es auch nicht. "
"Oliver Hillmann wurde bedroht", sagte Carter. "Und es gibt eine Videoaufnahme von Ihrem Firmenwagen vor seinem Haus." 
"Aber offenbar wissen Sie nicht, ob ich dort gewesen bin oder Mike", grinste Harry. "Seien Sie ehrlich - Sie haben nichts gegen uns in der Hand."  
"Doch", sagte Inspektor Carter. "Ich kann beweisen, dass Ihr Bruder Mike vorhin bei Hillman war, um ihn zu bedrohen."
Was war Carter aufgefallen?

Lösung: Der Täter humpelte, wie auf dem Video zu sehen war. Harry trainierte auf seinem Stepper - ohne Anzeichen einer Behinderung. Mike aber saß die ganze Zeit auf der Couch, weil er sich durch sein Humpeln verraten hätte, wenn er aufgestanden wäre.
Distr BULLS 2000 Zeichen

Zeuge in Angst
Von John Miller

Inspektor Carter fand, dass die Fußabdrücke in Oliver Hillmans Garten eine sehr gute Spur waren. Anhand dieser Spur konnte man ausgezeichnet den Weg verfolgen, den ein Unbekannter vor einer halben Stunde durch das Geranienbeet genommen hatte. "Schuhgröße 42", stellte Carters Kollegin, Detective Sergeant Carolyn Graham, fest und maß abschließend noch die Tiefe der Abdrücke. Sorgfältig notierte sie das Ergebnis in ihrem Notizbuch und sagte: "Der Abdruck des rechten Fußes ist etwa einen Zentimeter tiefer als der des linken."
"Machen Sie zur Sicherheit noch Fotos von den Abdrücken", bat Inspektor Carter. "Und natürlich auch von dem Drohbrief."
Den Drohbrief hatte Oliver Hillman an der Tür gefunden. Hillman war Buchhalter und sollte in zwei Wochen im Prozess gegen seinen ehemaligen Chef Harry Gearson und dessen Bruder Mike als Zeuge aussagen. Der Brief war mit einem Messer in Augenhöhe an die Tür geheftet worden. "Überleg dir, was du aussagst!", hieß es in krakeligen Buchstaben. "Sonst bist du tot!" 
"Ich saß vor dem Fernseher, als ich eine Gestalt in einem dunklen Kapuzenshirt durch den Garten schleichen sah", berichtete Hillman. "Dann hörte ich ein Geräusch an der Tür und ging nachsehen. Da fand ich den Brief. Ich konnte noch eine  Gestalt  zur Straße rennen sehen. Dabei ist er umgeknickt, aber er humpelte weiter. Gleich darauf hörte ich einen Wagen starten und davonrasen." 
"Haben Sie den Mann erkannt?", fragte Carter. 
"Nein, leider nicht!", sagte Hillman. "Aber ich bin sicher, dass es einer der Gearson-Brüder war. Sie wollen verhindern, dass ich vor Gericht gegen sie aussage." Als Kronzeuge der Anklage sollte Hillman über die Finanzmachenschaften berichten, mit denen Harry Gearson und sein Bruder Mike über Jahre in ihrer Gebäudereinigungsfirma Geld aus Drogengeschäften gewaschen hatten. Mit einer hohen Kaution waren die Brüder bis zum Prozessbeginn freigekommen. 
Unterdessen hatte Carolyn Graham telefoniert und berichtete jetzt: "Nur wenige Meter von Hillmans Haus entfernt ist eine Kreuzung mit Videoüberwachung. Die Kollegen in der Verkehrszentrale haben sich die Aufzeichnung angesehen. Darauf ist ein Auto vor Hillmans Haus zu erkennen. Jemand kommt aus dem Garten gehumpelt, steigt ein und fährt davon. Anhand des Kennzeichens konnte man den Wagen identifizieren: Er ist auf die Firma der Gearsons zugelassen."
Gleich darauf waren Inspektor Carter und Carolyn Graham auf dem Weg zu den Gearsons. Harry Gearson öffnete ihnen die Tür im Trainingsanzug und in Sportschuhen. "Ich trainiere gerade!", sagte er. Im Wohnzimmer stieg er wieder auf den Stepper, der vor dem Fernseher stand. "Egal, was Sie mir vorwerfen wollen - ich war den ganzen Abend hier!", erklärte er. Sein Bruder Mike saß gelangweilt auf dem Sofa. Er schaltete den Fernseher aus. "Ich war auch hier." Carolyn Graham hatte sich in der Diele umgesehen und kam mit einem Paar Straßenschuhen herein. 
"Die waren im Schuhschrank. Größe 42. Frische Erde an den Sohlen, dazu Geranienblätter." Harry wandte sich an seinen Bruder. "Sind das deine Schuhe?" 
Mike sah auf. "Nein." 
Harry lächelte Carter an. "Und ich sage: Meine Schuhe sind es auch nicht. Sie vergeuden hier nur Ihre Zeit!"
"Oliver Hillmann wurde bedroht", sagte Carter. "Und es gibt eine Videoaufnahme von Ihrem Firmenwagen vor seinem Haus. Der Täter, der Hillmann bedroht hat, benutzte ihn zur Flucht." 
"Aber offenbar wissen Sie nicht, ob ich es war oder Mike." 
"So ist es", gab der Inspektor zu. Harry Gearson lächelte schmal. "Sie haben außer einer nichtssagenden Videoaufnahme nichts in der Hand." 
"Doch", sagte Inspektor Carter. "Ihr Bruder Mike war derjenige, der vorhin Mister Hillman bedrohte."
Was war Carter aufgefallen?

Lösung: Der Täter humpelte, wie auf dem Video zu sehen war. Harry trainierte auf seinem Stepper - ohne Anzeichen einer Behinderung. Mike aber saß die ganze Zeit auf der Couch, weil er sich durch sein Humpeln verraten hätte, wenn er aufgestanden wäre.
Distr BULLS 4000 Zeichen

 (C) by BULLS and author
Lizenz #1183
Erschienen in:
prisma WEST 
Heft 4/2014


 

Ein Fall für Inspektor Carter :
Verrat im Labor

 Überführen Sie den Täter:

Ein Fall für Inspektor Carter

Verrat im Labor

Von John Miller


Professor Hopkins, der an seinem biochemischen Institut im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums forschte, bat seinen Assistenten Arnie Smith, Inspektor Carter die Sachlage zu erklären. 
"Weil wir unsere Kollegin Linda Lancer verdächtigen, unsere Forschungsergebnisse an einen Chemiekonzern zu verkaufen, habe ich ihr mit einer präparierten Computerdatei eine Falle gestellt." Arnie zeigte Carter Lindas Computer. "Und siehe da - heute Morgen um 7.35 Uhr wurde diese Datei von Lindas Computer via E-Mail an den US-Konzern verschickt."
"Wir hätten das dem Inspektor alles viel früher berichten können, wenn Sie nicht Ihre Mittagspause überzogen hätten", wies Professor Hopkins Arnie Smith zurecht. Und zu Carter sagte er: "Linda kam nicht aus der Mittagspause zurück. Wir denken, sie hat sich abgesetzt!"
Inspektor Carter brauchte eine halbe Stunde, um von dem Labor zu Linda Lancers Wohnung zu kommen. Er musste sich vom Hausmeister aufschließen lassen und fand Linda im Schlafzimmer auf dem Bett - tot! 
Auf dem Nachttisch lagen die leere Ampulle eines Betäubungsmittels und eine Spritze. "Mein Gott", murmelte der Hausmeister draußen vor der Tür. "Sie war so eine nette Frau! Jeden Morgen hat sie mir die Zeitung hereingebracht, pünktlich um acht, ehe sie zur Arbeit fuhr." 
"Ist Ihnen heute an ihr etwas aufgefallen?", fragte der Inspektor.
"Nein, sie war genau so wie immer", sagte der Hausmeister.
Carter griff zum Handy und rief Professor Hopkins an. "Linda ist tot", sagte er. "Der wahre Spion im Labor hat sie als Sündenbock benutzt. Halten Sie Arnie Smith unter einem Vorwand fest - er hat uns alle getäuscht und wohl auch Linda in der Mittagspause in ihre Wohnung gelockt und getötet, damit es so aussah, als habe sie aus Schuldgefühl Selbstmord begangen."
Wie kam Carter zu diesem Schluss?

Lösung: Lindas Wohnung lag eine halbe Autostunde vom Labor entfernt. Der Hausmeister hatte sie um acht gesehen, also hätte sie frühestens um halb neun an ihrem Computer sein können. Aber die belastende E-Mail wurde im Büro um 7.35 Uhr versendet. Das konnte nur Smith getan haben, der die angebliche Falle aufgebaut hatte. Ein weiterer Hinweis: Smith kam zu spät aus seiner Mittagspause zurück.
Distr BULLS 
2200 Zeichen


Tödliches Experiment
Von John Miller

Inspektor Carter sah Professor Hopkins an, wie betroffen er war. Der Wissenschaftler entwickelte in seinem Labor im Auftrag eines großen britischen Konzerns neue Pflanzenschutzmittel - und wegen der enormen Bedeutung dieser Forschung war bei Fällen von Geheimnisverrat auch Scotland Yard zuständig. "Nie hätte ich das von Linda Lancer gedacht", sagte Hopkins."Sie ist eine unserer besten Wissenschaftlerinnen. Unfassbar, dass sie unsere Forschungsergebnisse an die Konkurrenz weiterverkauft!" Er winkte den dunkelhaarigen Mann heran, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte. "Das ist Derek Smith, mein Assistent und Laborchef. Mister Smith, bitte zeigen Sie dem Inspektor, was Sie herausgefunden haben."
Derek Smith räusperte sich nervös und nestelte an seinem Krawattenknoten. "Also, es war uns aufgefallen, dass immer wieder Forschungsergebnisse unseres Labors bei American Chemicals auftauchten, einer Firma, die unser größter Konkurrent ist. Professor Hopkins hat mich deshalb beauftragt, nach dem Leck hier bei uns zu suchen." Smith schaltete Lindas Lancers Computer ein. "Ich habe dazu einen Köder ausgelegt - eine Datei mit der Formel für ein neues Pflanzenschutzmittel. Mit einem Zusatzprogramm konnte ich kontrollieren, wer auf diese Datei zugriff. Heute Morgen meldete das Programm, dass Linda die Datei abgerufen und hier von ihrem Computer aus per E-Mail an American Chemicals verschickt hat."
Die Daten, die Smith dem Inspektor zeigte, belegten ganz klar, dass der Zugriff auf die Datei heute Morgen um 7.30 Uhr erfolgt war. Um 7.35 Uhr war die Datei per E-Mail an American Chemicals verschickt worden. "Obwohl wir versucht haben, diskret vorzugehen", sagte Smith, "scheint Linda etwas bemerkt zu haben, denn sie kam nach der Mittagspause nicht mehr zurück ins Labor." Er reichte dem Inspektor einen Zettel. "Hier ist ihre Adresse. Ich denke, die Beweise, die ich hier gesammelt habe, reichen aus, damit Sie sie verhaften können."
"Wir hätten das dem Inspektor alles viel früher berichten können, wenn Sie nicht Ihre Mittagspause überzogen hätten und erst um zwei wieder hier aufgetaucht wären statt um eins", knurrte Professor Hopkins Smith an. 
Inspektor Carter brauchte eine halbe Stunde, um von dem Labor zu Linda Lancers Wohnung zu kommen, obwohl er mit Blaulicht und Sirene fuhr. Als ihm dort niemand öffnete, rief er den Hausmeister und ließ sich aufschließen. Er fand Linda im Schlafzimmer auf dem Bett - tot! 
Auf dem Nachttisch lagen die leere Ampulle eines Betäubungsmittels und eine Spritze. "Mein Gott", murmelte der Hausmeister draußen vor der Tür. "Sie war so eine nette junge Frau! Jeden Morgen hat sie mir die Zeitung hereingebracht, pünktlich um acht, ehe sie mit ihrem Wagen zur Arbeit fuhr."
"Auch heute?", fragte der Inspektor. "Ist Ihnen an ihr etwas aufgefallen?"
"Sie war heute genau so wie immer", beteuerte der Hausmeister.
Carters Handy läutete. Es war Professor Hopkins. "Linda hat sich möglicherweise etwas angetan!", sagte er. "Mister Smith berichtet mir gerade, dass aus unserem Giftschrank eine Ampulle eines Betäubungsmittels fehlt!"
Inspektor Carter atmete tief durch. "Ja, Linda ist tot", sagte er. "Sprechen Sie ab sofort kein Wort mehr mit Mister Smith, denn er ist der Verräter in Ihrem Labor und hat mit seinem angeblichen Trick mit dem Computer nur den Verdacht auf Linda gelenkt. Dann hat er sie in der Mittagspause in ihre Wohnung gelockt und getötet, damit es so aussah, als habe sie aus Schuldgefühl Selbstmord begangen."
Wie kam Carter zu diesem Schluss?

Lösung: Lindas Wohnung lag eine halbe Autostunde vom Labor entfernt. Der Hausmeister hatte sie um acht gesehen, also hätte sie frühestens um halb neun an ihrem Computer sein können. Aber die belastende E-Mail wurde im Büro um 7.35 Uhr versendet. Das konnte nur Smith getan haben, der die angebliche Falle aufgebaut hatte. Ein weiterer Hinweis: Smith kam nach seiner Mittagspause zu spät zurück.
Distr BULLS 
4000 Zeichen

(C) BULLS und Autor
Lizenz #1185

Erschienen in:
prisma West
Heft 9/2014