Donnerstag, 25. Juni 2026

The Gangster, the Cop, the Devil

 

Faustrecht mit Stil – Warum The Gangster, the Cop, the Devil zeigt, weshalb Südkorea das Actionkino noch immer beherrscht

Man kann über das moderne Actionkino vieles sagen. Dass es zu laut geworden ist. Zu digital. Zu hektisch geschnitten. Zu sehr damit beschäftigt, das Publikum mit permanenten Überraschungen zu überfordern. Südkorea verfolgt seit Jahren einen anderen Ansatz. Dort gilt nach wie vor ein beinahe altmodisches Prinzip: Ein Actionfilm muss zuerst funktionieren – als Geschichte, als Choreografie, als physische Erfahrung.

The Gangster, the Cop, the Devil (2019) von Lee Won-tae ist dafür ein nahezu ideales Beispiel. Der Film revolutioniert nichts. Er dekonstruiert keine Genrekonventionen, spielt keine postmodernen Spielchen und versucht nicht, intelligenter zu wirken als sein Publikum. Stattdessen nimmt er sein Genre ernst. Und genau darin liegt seine größte Stärke.

Die Ausgangslage ist so schlicht wie brillant. Ein Serienmörder greift den mächtigen Gangsterboss Jang Dong-soo an und überlebt den Angriff – ein Affront, der den Verbrecher weit härter trifft als die Messerstiche selbst. Denn in der Logik der Unterwelt bedeutet Verwundbarkeit den Verlust von Autorität. Gleichzeitig jagt ein ebenso kompromissloser Polizist denselben Täter. Aus gegenseitigem Misstrauen entsteht eine Zweckgemeinschaft, die beide Seiten verabscheuen, aber brauchen.

Natürlich kennt man dieses Muster. Der Cop und der Gangster, gezwungen zusammenzuarbeiten. Zwei Männer, die sich gegenseitig lieber erschießen würden, als einander zu vertrauen. Hollywood hat diese Konstellation dutzendfach variiert. Lee Won-tae interessiert sich deshalb gar nicht erst für Originalität. Ihn interessiert Präzision.

Und genau das unterscheidet viele südkoreanische Genrefilme noch immer von ihren westlichen Pendants.

Wo Hollywood oft versucht, bekannte Muster durch Ironie oder permanente Plot-Twists zu kaschieren, verlässt sich The Gangster, the Cop, the Devil auf etwas deutlich Unmoderneres: perfektes Handwerk. Jede Szene erfüllt einen klaren Zweck. Jede Gewalteskalation verschiebt das Kräfteverhältnis zwischen den Figuren. Jede Verfolgungsjagd erzählt etwas über Macht.

Dabei besitzt der Film eine Qualität, die im Actionkino beinahe ausgestorben scheint: Übersicht.

Lee Won-tae vertraut darauf, dass Zuschauer verstehen, was sie sehen. Die Kamera bleibt ruhig, Schnitte dienen dem Rhythmus statt der Reizüberflutung, Räume bleiben lesbar. Wenn zwei Männer aufeinandertreffen, ist jederzeit nachvollziehbar, wer wo steht und warum gerade dieser Schlag trifft. Das klingt selbstverständlich, ist aber längst eine Ausnahme geworden.

Vor allem aber ist The Gangster, the Cop, the Devil ein Film über Körper.

Nicht über durchtrainierte Marvel-Physiognomien oder athletische Eleganz, sondern über Gewicht. Über Masse. Über rohe Präsenz.

Ma Dong-seok – international heute besser als Don Lee bekannt – gehört längst zu den faszinierendsten Actiondarstellern unserer Zeit. Er kämpft nicht schnell. Er kämpft schwer. Jeder Faustschlag wirkt, als verschiebe er kurzfristig die Statik des Raumes. Seine Gewalt besitzt keine tänzerische Eleganz wie im Hongkong-Kino, sondern die Wucht eines Presslufthammers.

Dass gerade diese fast archaische Körperlichkeit weltweit so begeistert aufgenommen wurde, überrascht kaum. Internationale Kritiker waren sich selten so einig: Ma Dong-seok trägt den Film nahezu im Alleingang. Selbst dort, wo das Drehbuch in vertraute Bahnen gerät, hält seine Leinwandpräsenz jede Szene zusammen.

Dabei entsteht eine interessante moralische Verschiebung. Der Gangster wird niemals zum Helden. Aber er besitzt Regeln. Der Polizist dagegen überschreitet sie immer häufiger. Und der Serienmörder? Der kennt überhaupt keine. Nicht das Gesetz trennt die Figuren voneinander, sondern ihre Vorstellung davon, was Ordnung bedeutet.

Diese moralische Grauzone gehört seit Jahren zu den Markenzeichen des südkoreanischen Kinos. Anders als viele amerikanische Thriller interessiert es sich selten für klare Kategorien von Gut und Böse. Entscheidend ist vielmehr, wer bereit ist, welche Grenzen zu überschreiten.

Visuell bleibt Lee Won-tae dabei angenehm unaufgeregt. Kalte Blautöne, nächtliche Straßenzüge, Neonlicht, Industriegebiete – das urbane Südkorea erscheint als ein Ort permanenter Dämmerung. Die Bilder verzichten auf demonstrative Schönheit und entwickeln gerade dadurch ihre eigene Eleganz. Nichts wirkt überstilisiert, aber jede Einstellung besitzt Gewicht.

Natürlich ist der Film nicht frei von Schwächen. Der Serienmörder bleibt letztlich eher Symbol als Figur, ein Motor der Handlung ohne nennenswerte psychologische Kontur. Auch der Polizist gewinnt nie jene Ambivalenz, die den Gangster so interessant macht. Einige asiatische Kritiker bemängelten genau diesen Punkt: Das Konzept verspreche komplexere Figuren, als das Drehbuch letztlich liefert.

Doch vielleicht liegt gerade darin das Missverständnis vieler westlicher Erwartungen.

The Gangster, the Cop, the Devil will kein Charakterdrama sein. Er will Genrekino sein – und zwar im besten Sinn des Wortes. Seine Figuren müssen nicht permanent über Traumata sprechen oder ihre moralischen Konflikte ausbuchstabieren. Sie definieren sich durch Entscheidungen, Blicke, Gewalt und Loyalität. Der Film erzählt mit Handlung, nicht mit Erklärungen.

Vielleicht erklärt gerade das seinen internationalen Erfolg. Denn während sich ein großer Teil des westlichen Actionkinos zunehmend zwischen Franchise-Logik und Selbstparodie bewegt, erinnert Lee Won-taes Film daran, warum Menschen dieses Genre überhaupt lieben. Nicht wegen der Explosionen. Sondern wegen der Spannung. Wegen der klaren Dramaturgie. Wegen Figuren, deren Konflikte sich nicht in Dialogen, sondern in Handlungen ausdrücken.

The Gangster, the Cop, the Devil ist deshalb weniger ein innovativer Film als ein außerordentlich souveräner. Er beweist, dass Genretreue kein Makel sein muss. Im Gegenteil: Wer seine Regeln beherrscht, muss sie nicht ständig brechen.

Oder anders gesagt: Während andere Actionfilme laut behaupten, das Genre neu zu erfinden, erinnert dieser Film daran, wie gut es sein kann, wenn jemand einfach weiß, wie man es richtig macht.

Sonntag, 22. März 2026

Jerry Cotton Nr 270

Jerry Cotton Nr. 270

Die Panik der Gespensterbande

Bastei-Verlag

Personen:
Jerry Cotton ..G-man beim FBI
Phil Decker   G-man beim FBI 
Tino Ravelli  Lagerarbeiter
'Steinweg … Angestellter
John Cleamer  Messerwerfer 



Die Gespensterbande überfällt eine Spedition und raubt Goldbarren im Werte von 112 000 Dollar. Der Nachtwächter stirbt. Ein Polizist überrascht sie und wird verletzt. 
Cotton und Decker fahren zum Lagerhaus. Sie finden Tino, der zufällig dort schläft und den Raub mit ansah. In der Firma muss ein Verräter sein, denn die Gangster waren gut orientiert.
Sie suchen einen stadtbekannten Hehler. In ein Lokal wird ihnen der Eintritt verwehrt. Sie lauschen. Die Gesellschaft wird gerade von der Gespensterbande überfallen. Mit Polizeiverstärkung wird die Bande ausgehoben. Es kommt die Meldung, dass die Gespensterbande zur gleichen Zeit in Brooklyn eine Bank ausraubte.
Tino fasst mit seinen Freunden den Entschluss, den Verräter in der Firma zu finden. Sie beobachten die Verdächtigen und fassen den Entschluss, Steinweg bei der Polizei abzuliefern. Steinweg kommt in eine Ausnüchterungszelle.

In der beraubten Bank muss es ebenfalls einen Verräter geben, der die Alarmanlage verrät. Tino klärt die Polizei auf. Cotton erhält die Meldung. Steinweg wurde entlassen. Er ist ermordet, höchstwahrscheinlich durch Cleamer. Man identifiziert ein Mitglied der Gespensterbande als Cleamer.

Die Hehler in der Stadt wissen nichts von Goldbarren. Tino liefert in einem Blindenheim etwas ab. Er hat einen Verdacht, doch Cotton ist nicht zu erreichen.
Cotton verhört Cleamers Bruder, der sagt, John lebe als Blinder im Blindenheim.
Tino will die Bande überführen und steigt ins Heim ein.
Cotton und Decker können ihn in letzter Sekunde retten und die Bande ausheben.

ENDE


Der Autor
Der Band Nr. 270   „Die Panik der Gespensterbande“  erschien erstmals ca. 1961 und wird in Sammlerkreisen und einschlägigen Datenbanken dem Autor Heinz Werner Höber (1931–1996) zugeordnet.

Höber gilt als einer der wichtigsten und produktivsten Köpfe der Serie. Er prägte den Stil von Jerry Cotton über Jahrzehnte hinweg maßgeblich und verfasste hunderte von Romanen für die Reihe.


John Drake 174 - Tage der Angst


John Drake Nr. 174

Tage der Angst

Wolfgang Marken-Verlag

Personen:
John Drake – Agent des CIA
Barry Cadwell – Agent des CIA
Chico Medeiros-Varga – Führer der „Gelben Panther“, Gangster
Gomes Andrade – Gangster
Cliff Black – Gangster
Myra Swanson – Gangsterin
Sam und Jimmy Hastings – Wilderer
Howard Gray – Schauspieler


Handlung:

Bei der Aufführung eines Kriminalreißers erhängt sich Howard Gray. John Drake berichtet Cadwell vom Verschwinden eines Lastwagens mit Nervengas. Die Hastings werden Zeugen eines Unfalls, bei dem ein Mann aus einem brennenden Wagen springt und zwei Kisten vergräbt. Sie glauben, es handle sich um geraubtes Geld, und wollen es später holen.

Ein Tramp kehrt bei ihnen ein, den sie für den geflüchteten Mann halten. Sie bringen ihn um, finden jedoch nichts bei ihm. Danach graben sie die Kisten aus und verstecken den Tramp. In den Kisten befinden sich Nervengasgranaten.
Der echte Fahrer taucht auf. Der Sheriff erkennt ihn auf einem Foto wieder, das einen der Fahrer des Nervengas-Lasters zeigt. Drake und Cadwell geraten in eine Schießerei zwischen den Hastings und dem Fahrer. Der Mann flieht und versteckt sich auf einem Feuerturm, stürzt jedoch ab, als Drake ihn holen will.

Die Hastings schweigen zunächst, doch der sterbende Jimmy gesteht alles. Drake findet das Gas. Drake erhält einen Anruf von Malony und fliegt nach New York. Im Theater finden sie heraus, dass ein eingeschmuggelter Bühnenarbeiter die Schlinge manipuliert hat. Der Arbeiter gesteht, dass Gray nur erschreckt werden sollte, weil er ein Verräter gewesen sei. Auftraggeberin war Myra.

Cliff Black hat Malonys Hund mit einer Zeitbombe präpariert, die in letzter Minute entschärft wird. Myra kann zunächst entkommen. Malony erklärt, dass Gray mit den „Gelben Panthern“ gearbeitet habe, sich aber geweigert habe, den Nervengas-Transport zu überfallen – deshalb wurde er getötet.

Drake erfährt, dass Myra von einem Südamerikaner in einem schnellen Wagen abgeholt wurde. Über einen Wagenverleih kommt er auf Medeiros. In dessen Wohnung wird Drake niedergeschlagen und gefesselt, kann sich aber befreien. Sie finden Sprengstoff und einen Geheimgang. Andrade greift an, wird jedoch vorerst abgewehrt.

Drake und Cadwell fliegen nach Panama. Dort werden sie bedroht. Sie entdecken, dass Waffen und Panzer verschwunden sind. Black wird später ermordet. Ein Indio verrät Drake, dass Medeiros Schleusen sprengen will. Sie erhalten eine Einladung zu Vargas’ Gartenparty. Zuvor entgehen sie einem Giftanschlag.

Über einen Koch gelangen sie zu Myra. Als sie jemanden töten will, greift Drake ein. Sie enthüllt, dass Vargas in Wirklichkeit Medeiros ist. Medeiros wird verhaftet. Andrade stirbt bei einem weiteren Fluchtversuch.


"Geheimauftrag für John Drake", im Original "Danger Man" war eine britische Kriminalfilmserie, die von 1960 bis 1966 in etw 80 Episodenm beim Fernsehsender ITV ausgestrahlt und von Lew Grade produziert wurde. Mit der von Ralph Smart entwickelten Serie wurde der US-amerikanische Schauspieler Patrick McGoohan zum Star.

Ab 1963 erschien im Kölner Wolfgang Marken Verlag die Romanheftserie "Geheimauftrag für John Drake", in der  deutsche Heftromanautoren neue Abenteuer des Agenten erzählten.
1976 wurde die Romanserie nach 464 Bänden mit dem Roman "Köder in blond"  eingestellt.