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Donnerstag, 24. Juli 2025

Ratekrimi Classic
Ein Fall für Inspektor Carter 2

 Zeuge in Angst

Von John Miller

Die Botschaft auf dem Zettel, den ein Unbekannter an Oliver Hillmans Haustür hinterlassen hatte, war eindeutig: „Wenn du aussagst, bist du tot!“
Inspektor Carter wusste, worum es ging. Hillman war der Hauptzeuge im Prozess gegen die Brüder Mike und Harry Greason. Sie hatten Steuern in Millionenhöhe hinterzogen.
„Ich sah einen Mann im Kapuzenshirt durch meinen Vorgarten kommen“, sagte Hillman. „Er heftete diesen Zettel an die Tür und machte sich durch mein Geranienbeet davon, ehe ich öffnen konnte. Er stolperte und knickte mit dem Fuß um, aber schaffte es humpelnd, in einen schwarzen Mini zu springen und davonzubrausen.“
Zum Glück hatte eine Überwachungskamera den Wagen und den Kapuzenträger gefilmt – und man konnte das Auto anhand des Nummernschildes identifizieren. Es war auf die Firma der Greasons zugelassen.
Gleich darauf klingelte der Inspektor bei den Brüdern Greason. Harry Greason öffnete im Sportdress.
„Ich trainiere gerade“, sagte er.
Im Wohnzimmer stieg er wieder auf den Stepper, der vor dem Fernseher stand. „Egal, was Sie mir vorwerfen wollen, ich war den ganzen Abend hier“, erklärte er.
Sein Bruder Mike saß gelangweilt auf dem Sofa.
„Und Sie?“, fragte Carter.
Mike schaltete den Fernseher aus. „Ich auch.“
Als Carter sich in der Diele umsah, entdeckte er Straßenschuhe, an denen noch Erde und Blütenblätter einer Geranie hafteten.
„Wem gehören die Schuhe?“, wollte er wissen.
Mike sah auf. „Meine sind es nicht.“
Harry lächelte Carter an. „Und ich sage: Meine Schuhe sind es auch nicht.“
„Oliver Hillman wurde bedroht“, sagte Carter. „Und es gibt eine Videoaufnahme von Ihrem Firmenwagen vor seinem Haus.“
„Aber offenbar wissen Sie nicht, ob ich dort gewesen bin oder Mike“, grinste Harry. „Seien Sie ehrlich – Sie haben nichts gegen uns in der Hand.“
„Doch“, sagte Carter. „Ich kann beweisen, dass Ihr Bruder Mike vorhin bei Hillman war, um ihn zu bedrohen.“



Lösung:

Der Täter humpelte, wie auf dem Video zu sehen war.
Harry trainierte auf seinem Stepper – ohne Anzeichen einer Behinderung. Mike aber saß die ganze Zeit auf der Couch – weil er sich durch sein Humpeln verraten hätte, wenn er aufgestanden wäre.



Quelle:
PRISMA (West) Heft 4/2014
©  BULLS und Autor Lizenz #C1183

Sonntag, 20. Juli 2025

Ratekrimi-Classic
Ein Fall für Inspektor Carter

Verrat im Labor

von John Miller

Professor Hopkins, der an seinem biochemischen Institut im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums forschte, bat seinen Assistenten Arnie Smith, Inspektor Carter die Sachlage zu erklären.
„Weil wir unsere Kollegin Linda Lancer verdächtigen, unsere Forschungsergebnisse an einen Chemiekonzern zu verkaufen, habe ich ihr mit einer präparierten Computerdatei eine Falle gestellt.“ Arnie zeigte Carter Lindas Computer. „Und siehe da – heute Morgen um 7:35 Uhr wurde diese Datei von Lindas Computer via E-Mail an den US-Konzern verschickt.“
„Wir hätten das dem Inspektor alles viel früher berichten können, wenn Sie nicht Ihre Mittagspause überzogen hätten“, wies Professor Hopkins Arnie Smith zurecht. Und zu Carter sagte er: „Linda kam nicht aus der Mittagspause zurück. Wir denken, sie hat sich abgesetzt!“
Inspektor Carter brauchte eine halbe Stunde, um vom Labor zu Linda Lancers Wohnung zu kommen. Er musste sich vom Hausmeister aufschließen lassen und fand Linda im Schlafzimmer auf dem Bett – tot!
Auf dem Nachttisch lagen die leere Ampulle eines Betäubungsmittels und eine Spritze.
„Mein Gott“, murmelte der Hausmeister draußen vor der Tür. „Sie war so eine nette Frau! Jeden Morgen hat sie mir die Zeitung hereingebracht, pünktlich um acht, ehe sie zur Arbeit fuhr.“
„Ist Ihnen heute an ihr etwas aufgefallen?“, fragte der Inspektor.
„Nein, sie war genauso wie immer“, sagte der Hausmeister.
Carter griff zum Handy und rief Professor Hopkins an. „Linda ist tot“, sagte er. „Der wahre Spion im Labor hat sie als Sündenbock benutzt. Halten Sie Arnie Smith unter einem Vorwand fest – er hat uns alle getäuscht und wohl auch Linda in der Mittagspause in ihre Wohnung gelockt und getötet, damit es so aussah, als habe sie aus Schuldgefühl Selbstmord begangen.“
Wie kam Carter zu diesem Schluss?

Lösung:
Lindas Wohnung lag eine halbe Autostunde vom Labor entfernt. Der Hausmeister hatte sie um acht gesehen, also hätte sie frühestens um halb neun an ihrem Computer sein können. Aber die belastende E-Mail wurde im Büro um 7.35 Uhr versendet. Das konnte nur Smith getan haben, der die angebliche Falle aufgebaut hatte. Ein weiterer Hinweis: Smith kam zu spät aus seiner Mittagspause zurück.

Ratekrimi Verrat im Labor - Von John Miller
prisma Heft 9/2014 (C) Bulls Pressedienst & author
Lizenz #C1185




Montag, 16. September 2024

Krimi-Experte H.P. Karr im Interview
Neue Ratekrimis mit Kommissarin Katja Kampp

H.P. Karr lässt Kommissarin Katja Kampp ermitteln

Spannende Unterhaltung und Krimi-Quiz


H.P. Karr lebt seit 1960 im Ruhrgebiet. Er studierte in Bochum und arbeitete anschließend einige Jahre als freier Journalist und Reporter für verschiedene Magazine. Schon während dieser Zeit schrieb er zahlreiche Stories und Hörspiele. Heute ist H.P. Karr freier Schriftsteller und unter seinem bürgerlichen Namen Reinhard Jahn Experte in Krimi-Fragen. So beriet er unter anderem jahrelang in der »Telefonischen Mordsberatung auf WDR5« gemeinsam mit Kollegen die Radiohörer in Sachen Krimi. Als H.P. Karr veröffentlichte er bisher mehr als ein Dutzend Bücher und schrieb über als 1000 Kriminalstories und Ratekrimis.

FRAGE: Wie lange schreibst du schon und wie und wann kam es zur Veröffentlichung deines ersten Buches?

KARR: Ich schreibe schon seit meiner Jugend - schon als ich nur zur Schule ging, habe ich Kurzgeschichten geschrieben und mich sogar an einem Roman versucht. Dabei habe ich schnell gespürt, wie sehr mir das Krimi-Genre lag und ich habe mich darauf konzentriert. und der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten - bald erschien meine erster Kurzkrimi in einer Zeitschrift.
Mein erstes Buch war ein Jugendbuch - und ich habe es eigentlich für meine beiden jüngeren Geschwister geschrieben, denen ich oft Gute-Nacht-Geschichten erzählt habe. Natürlich ist ein Krimi geworden - ein Jugendkrimi mit vier cleveren und mutigen Helden, die einer Falschmünzerbande auf die Spur kommen. Das Manuskript habe ich einfach an einen Verlag geschickt, dessen Jugendbücher ich mochte - und schon nach ein paar Wochen kam die Antwort, dass man es gern drucken würde. Selbstverständlich wollte man auch sofort eine Fortsetzung der Geschichte haben.
Seitdem habe ich mehr als ein Dutzend Bücher geschrieben - teilweise gemeinsam mit Kolleginnen oder Kollegen. Und eine Menge Kriminalstories.

FRAGE:  Welcher Autor inspiriert und beeindruckt dich selbst?
 

KARR: An meisten beeindruckt mich Stephen King - den ich für einen der besten Autoren unserer Zeit halte. Wie schnell und perfekt er eine Geschichte beginnt, wie er seine Charaktere entwirft und sie dann in teilweise absurde Situationen bringt, ist einfach grandios.
Und von den neuen Autoren mag ich ganz besonders Jussi Adler-Olsen, Klaus-Peter Wolf, Sebastian Fitzek und Nele Neuhaus, denen immer wieder ein neuer Dreh einfällt, mit denen sie ihre Geschichten noch spannender und überraschender machen.

FRAGE:
Woher bekommst du die Ideen für deine Stories?

KARR:
Es sind meist kleine Anlässe, kurze Gedanken oder ein Impuls von außen, die mich auf eine Idee zu einer Story bringen. Vielleicht eine Zeitungsnotiz über einen Vorfall (der dann aber am Ende in ganz anderer Form in der Geschichte auftaucht). oder die Beobachtung auf der Straße. Und ich sitze gern in Café und schaue mir Menschen an. Dabei kommt man auf die besten Ideen - indem man sich vorstellt, wie dieser oder jener Mensch und eine ganz bestimmte Situation gerät...

FRAGE:
Wie hältst du Kontakt zu deinen Lesern?

KARR: Indem ich bei facebook und bei Twitter und  auch bei lovelybooks poste und natürlich auch eine Homepage habe. Wenn mir Leser schreiben, beantworte ich natürlich gern alle Fragen. Aber am liebsten lese ich live vor meinem Publikum - in Buchhandlungen oder Bibliotheken. Im Krimi-Bereich gibt es sehr viele Veranstaltungen, und ich nehme die meiten Einladungen für solche Auftritte an um meine Leser zu treffen und sie kennen zu lernen.

FRAGE: Wann und was liest du selbst?

KARR:
Ich lese sehr viel - am meisten natürlich Kriminalromne - weil ich unter anderem auch Rezensionen darüber schreibe. Eigentlich lese ich alles, was gerade bei meinem Buchhändler auf dem tsich mit den Neuerscheinungen liegt. Und wann ich das alles lese? Vor dem Schlafengehen natürlich.


Wenn die Kripo vor Ort nicht mehr weiterweiß – dann kommt Katja Kampp zum Einsatz. Die Sonderkommissarin ist clever, sportlich und löst jeden Fall mit der ihr eigenen Kombinationsgabe. Begleiten Sie Katja Kampp an die Tatorte, sammeln Sie Indizien, ziehen Sie gemeinsam mit der Kommissarin Schlussfolgerungen und spüren Sie so selbst die Täter auf. Die Ratekrimis von H. P. Karr sind der ideale Krimigenuss – am Stück oder auch für zwischendurch.
 

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© Nachdruck/Veröffentlichung  honorarfrei
 


Donnerstag, 13. Juli 2023

Mord nach Rezept .- Band 16

Mord nach Rezept – Band 16: Zwei Dutzend kurze Killer

Es ist angerichtet – ein neues mörderisch spannendes Menü mit Kurzkrimis von wahren Könnern. Geschichten über rätselhafte Mordfälle, genial geplante Coups, teuflische Intrigen. Außerdem neue Fälle für Anwältin Vicky Kant. Zwei Dutzend kurze Killer für kriminell-kurzweilige Unterhaltung.

  • Pennys letzter Stunt von Michael Rolandt: Penny Schneider ist Stuntgirl in den Berlin-Babelsberger Filmstudios – und zutiefst von ihrem Lebensgefährten Frank enttäuscht. Der schöne, aber erfolglose Schauspieler hintergeht sie offenbar regelmäßig mit Fernsehsternchen. Penny beschließt, dass er sterben soll.
  • Tote schlafen viel zu fest von Frank F. Bennet: Annelie hat alles vorbereitet, um ihren Mann umzubringen. Damit sie endlich frei ist für einen anderen, mit dem sie ein neues Leben beginnen will. Doch so ein Mord ist nicht so einfach zu begehen.
  • Gangster gehen nicht in Rente von Marek Stein: Carlo Bolaender lebt zurückgezogen in einem Dörfchen im Thüringer Wald. Doch seine Vergangenheit holt ihn wieder ein. Ein alter Komplize schaut vorbei und verlangt die Beute aus einem Bankraub, den Bolaender begangen hat. Es geht um eine halbe Million.
  • Spezialeinsatz am Sorpesee von Manfred Mainau: Lydia Schnitzler zeigt zum wiederholten Mal ihren Schwager an. Polizeihauptmeister Kleikamp von der Wache Sundern nimmt es sauerländisch gelassen – alle anderen Anzeigen Lydias haben sich als Windeier erwiesen. Doch diesmal verdächtigt Lydia ihren Schwager des Mordes.
  • Kleine Tricks für große Träume von Michael Rolandt: Entsetzt muss Erich Jäger feststellen, dass die Grundstücksparzelle in der Lüneburger Heide, die ihm der windige Bengt Schlemmer für 145.000 Euro verkauft hat, gar nichts wert ist. Damit ist nicht nur Erichs Erspartes dahin, sondern auch der Traum vom Eigenheim für sich und seine Frau. Er hadert mit sich, dass er sich von dem dubiosen Immobilienhai über den Tisch hat ziehen lassen.
  • Birgit hat eigene Pläne von H.P. Karr: Birgit sah es gar nicht gern, dass ihr David sich in letzter Zeit so oft mit Ted und den anderen Burschen aus der Eckkneipe traf. Jetzt saßen sie schon wieder drüben und steckten die Köpfe zusammen. Genauso hatte es damals auch angefangen, und am Ende waren drei Jahre Gefängnis für David dabei herausgekommen.

Die Geschichten in diesem Band von Mord nach Rezept sind allesamt sehr spannend und unterhaltsam. Die Autoren haben eine gute Mischung aus Krimi und Humor geschaffen, die die Leser bei der Stange hält. Besonders die Fälle für Anwältin Vicky Kant sind sehr gelungen. Sie sind gut recherchiert und spannend erzählt.




Insgesamt ist Mord nach Rezept – Band 16: Zwei Dutzend kurze Killer eine gelungene Sammlung von Kurzkrimis, die Krimi-Fans und Hobbyköche gleichermaßen begeistern wird.

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Sonntag, 19. Februar 2023

Ratekrimi der Woche

 

Dexters neues Leben

Von John Miller

Inspektor Cramer ermittelte im Fall Ben Dexter. Der smarte Internetunternehmer war verschwunden - spurlos, wie es schien. Der Verdacht lag nahe, dass er Opfer eines Verbrechens geworden war. Das jedenfalls versuchte Dexters Ehefrau Brenda dem Inspektor nahezulegen.
  Ben Dexter war vor drei Tagen am Abend gegen 18 Uhr noch einmal aus dem Haus gegangen. »Er wollte sich Zigaretten holen, in dem Tabakwarenladen an der Winslow Street«, sagte Brenda. »Ich wartete und wartete – doch er kam nicht zurück.« Um 22 Uhr hatte sie die Polizei verständigt. Erste Ermittlungen ergaben, dass Ben Dexter weder seinen Wagen benutzt hatte – der stand noch in der Garage, noch dass er ein Taxi geordert hatte. Sein Mobiltelefon hatte er zwar mitgenommen, doch es war seit 18.12 Uhr abgeschaltet. 
  In den Krankenhäusern der Umgebung war im fragliche Zeitraum keine männliche Person, 37 Jahre alt, 1,85 Meter groß, 86 Kilo schwer, mit kurzen rotblonden Haaren als Unfallopfer eingeliefert worden.
  Cramers Kollegin Carolyn Green hatte sich unterdessen eingehend mit Dexters Vorleben beschäftigt. »Er hat einen schlechten Ruf. In seiner Branche gilt er als rücksichtslos und eiskalt«, fasste sie zusammen. »Seine Firma steht vor dem Konkurs. Ich habe den Eindruck, er ist einfach untergetaucht, um sich vor seinen Verpflichtungen zu drücken. Vielleicht will er irgendwo neu anfangen, mit falschen Papieren und den 5000 Pfund, die er am Tag seines Verschwindens noch von seinem Konto abgehoben hat.«
  »Wenn er sich neue Papiere verschaffen will, wird er früher oder später an Gerry Londman geraten«, sagte Cramer. Der ehemalige Werbegrafiker galt als der beste Passfälscher der Stadt. Wenig später standen Cramer und seine Kollegin in dem kleinen Zeitungsladen, den Gerry Londman als Tarnung betrieb. Der Fälscher gab die vollendete Unschuld.
  »Ben Dexter? Nie gehört, nie gesehen. Wieso sollte er zu mir gekommen sein?«
  »Um sich neue Papiere zu kaufen«, sagte Cramer. »Er hatte 5000 Pfund in bar bei sich – das ist doch Ihr Tarif für eine kompletten Satz neuer Papiere, oder?«
 »Was die Leute so reden…«, murmelte Londman. »Wie soll dieser Dexter denn aussehen?«
  »1,85, sportlich, 86 Kilo, kurzes Haar.«
  »Habe ich nie gesehen. Aber vielleicht hat er sein Aussehen verändert? Sich eine Bart angeklebt, die roten Haare gefärbt? Oder überhaupt eine Perücke benutzt.«  »Damit wäre klar, dass Sie Dexter kennen und ihm wohl neue Papiere verschafft haben«, sagte Cramer.

Warum?
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Ein Mord in einem verschlossenen Raum, ein tückisch arrangierter Unfall, ein vergifteter Drink – in jedem Fall ein Fall für Kommissarin Katja Kampp von der SOKO RUHR. Mit messerscharfer Kombinationsgabe ermittelt die clevere Kriminalistin innerhalb kürzester Zeit, wer der Täter ist. 
H.P. Karr

Ein Fall für Kommissarin Katja Kampp

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Lösung: Lonsdale wusste, dass Dexter rote Haare hatte, aber das hatte Carter nie erwähnt.
© by author



Samstag, 18. Juli 2020

Krimi der Woche

 Mörderische Nachtschicht

 

Krimi von  Michael Rolandt

 

Steffen Steiner hatte zuletzt um Kelly Club gepokert – und war um 22.30 Uhr mit  1000 Euro Gewinn gegangen. Um 23 Uhr fand ihn eine Polizeistreife auf dem Parkplatz hinter dem Club  - erschlagen und beraubt.  Hauptkommissar Benedikt von der Kriminalwache sah sich  die Habseligkeiten des Toten an. Die Brieftasche mit dem Pokergewinn fehlte, aber am Handgelenk trug Steiner eine teure Uhr. In  seinem Handy fand der Kommissar dann die Kontaktdaten von Steiners einzigem Angehörigen - seinem Bruder Bernie. Dem gehörte eine Tankstelle im Industriegebiet. Es war gegen acht am Morgen, als Kommissar Benedikt dort auftauchte. Bernie beendete gerade seine Nachtschicht und übergab den Dienst an seinen Tankwart von  der Tagschicht.
   »Ihr Bruder wurde erschlagen, es war vermutlich ein Raubord », sagte Benedikt. »Seine Brieftasche war verschwunden.«
   »Hatte er wieder gepokert?«, fragte Bernie kurz angebunden. »Im Kelly Club?«
   »Ja, er kam gerade von einer Pokerpartie, als seinem Mörder begegnete«, sagte Benedikt. »Woher wusste Sie das?
   »Steffen hat regelmäßig   dienstags im Kelly Club gespielt.« Brian wirkte jetzt doch etwas mitgenommen. »Sie sagten, er wurde ermordet? Aber… warum denn? Wer hat denn etwas gegen ihn gehabt?«
   »Sie zum Beispiel«, sagte Benedikt trocken. »Der Keeper des Kelly-Clubs erinnert sich, dass Sie letzte Woche dienstags eine lautstarke Auseinandersetzung mit Ihrem Bruder hatten  wegen seiner Spielsucht.«
   »Das war eine Familiensache«, wiegelte Bernie ab. »Er war dabei, das gemeinsame  Erbe unseres Vaters durchzubringen!«
   »Haben Sie ihm gestern dann hinter dem Kelly Club aufgelauert?«, fragte Benedikt.
   »Unsinn, als er getötet wurde, war ich hier in der Tankstelle«, sagte Bernie. »Meine Nachtschicht geht von  21 Uhr bis acht Uhr morgens. Zwischen halb elf und elf habe ich hier im Shop Waren eingeräumt.
   »Haben Sie nicht«,  sagte Kommissar Benedikt und nahm Bernie Steiner fest. Der Tankstellenbesitzer wirkte überrumpelt. »Aber ...«
   »Sie wussten eben, dass Ihr Bruder zwischen 22.30 und 23 Uhr ermordet wurde!«, sagte der Kommissar. »Eine sehr präzise Angabe zur Tatzeit - nur dass ich das vorher gar nicht erwähnt hatte. Sie wussten also ganz eindeutig zuviel über den Mord an Ihrem Bruder…«





H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept – Band 17: Ein Toter ist nicht genug
 

Mit Mord kommt keiner durch – oder doch? Es ist alles eine Frage der Planung. Oder nicht? Wenn clevere Kommissarinnen und smarte Kriminalbeamte ermitteln, muss sich mancher Mörder warm anziehen. Aber nicht nur Krimirätsel sorgen hier für Unterhaltung. Es gibt auch Psychothriller, Gaunergeschichten und knallharte Krimi-Comedy. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr. Zum Beispiel…

H.P. Karr: Unter Verdacht
Kommissarin Vera Falck ermittelt gegen Kollegen. Wer aus der Revierwache Hattingen stalkt die neue Kommissarin? Die Sache ist ernster als sie zunächst scheint.

John Miller: Duell mit doppeltem Boden
Ein reicher Mann. Ein Flugzeugabsturz. Eine Lebensversicherung in Millionenhöhe. Ein Versicherungsdetektiv. Ein Verdacht.

Manfred Mainau: Späte Reue eines Egoisten
Wenn ein Mensch stirbt, trauern seine Angehörigen um ihn. Doch es gibt auch Menschen, so überlegte Hauptkommissar Clemens Bürger, über deren Tod die Hinterbliebenen erleichtert sind. Oder sich sogar freuen. So schien es hier der Fall zu sein

Rudi Fischer: Zu viel Liebe wird mit Mord bezahlt
Zitternd starrte Undine Schaffrath auf die Textnachricht, die eben auf dem Display ihres Mobiltelefons erschienen war. »Dreitausend Euro - oder Dein Mann erfährt alles!«, stand da. »Heute Abend. Gleiche Zeit. Gleicher Ort!«

Jackie Kowal: Alte Liebe rächt sich nicht
Henry Steiner war eine harte Nuss. Selbst für Kommissarin Linda Krantz. Denn Henry Steiner stritt alles ab. Niemals war er im Südviertel gewesen. Auf keinen Fall hatte er dort vor dem Haus 34 in der Beethovenstraße gewartet. Und er hatte dort auch nie Denise Delamare attackiert, die Burlesquetänzerin aus dem Metropol-Varieté.

Helen Graf: Ein Betrüger taucht unter
Für die Polizei sollte es nach einem Unfall aussehen. Doch in Wirklichkeit war es ein Trick, mit dem sich der gesuchte Betrüger vor der Verfolgung schützen wollte. Und fast hätte es auch geklappt.

Und achtzehn weitere kurze Killer.
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Immer Ärger mit den Nachbarn
(KRIMI2115)
© by author / Reinhard Jahn
Weiterverbreitung nur mit ausdrücklicher Genehmigung

Donnerstag, 23. August 2018

Gratis: Mord nach Rezept

Jetzt für kurze Zeit gratis

Mord nach Rezept - Band 4: Zwei Dutzend kleine Killer

Clevere Ganoven, eiskalte Killer. Gauner, die sich selbst im Weg stehen und Mörder, die bei ihren Plänen ein kleines, aber wichtiges Detail übersehen. Dazu smarte Kommissarinnen, knorrige Ermittler und smarte Detektive.
Das alles und noch viel mehr präsentiert Krimi-Kenner H.P. Karr in zwei Dutzend cleverer Crime-Stories. Mord nach Rezept – Kurzkrimis von Könnern.

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Leseprobe:

03 Jacqueline Kowalczik: Am Abgrund

Die Gegend war einsam. Zuletzt waren sie vor einer Viertelstunde durch ein Dorf gekommen. Hier im Vogelsberg in Hessen konnte man lange unterwegs sein, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Die Landstraße schlängelte sich durch den winterlichen Wald. Bernd schaltete hektisch und beschleunigte.
Er ist nervös!, überlegte Anne. Kein Wunder, schließlich will er mich umbringen. Er will mich zu Ellen fahren, und dann wollen die beiden mich betäuben, um mit mir einen Autounfall im Steinbruch bei Ebsdorfergrund zu arrangieren. Das lag nur wenige Kilometer hinter Wermertshausen, dem Ort, durch den sie vorhin gefahren waren.
»Es dauert nicht mehr lange«, sagte Bernd neben ihr. Seine Stimme klang rau. »Wir sind gleich da.«
Ja, wir werden gleich ankommen!, dachte Anne. Angeblich wollten sie hier im Vogelsberg ein Wochenende in einem Ferienhaus verbringen, das Freunden gehörte. Bernd hatte den ganzen Trip arrangiert und darauf bestanden, selbst zu fahren. So konnte er die Strecke durch das ausgedehnte Waldgebiet einschlagen, die bei Ellen vorbeiführte, ohne dass Anne Verdacht schöpfte.
Die Januarsonne brach durch die Baumwipfel. Es war kühl. vielleicht würde es bald schneien. Anne fröstelte, obwohl die Wagenheizung auf Hochtouren lief.
Bernd wusste nicht, dass sie seine Gespräche mit Ellen belauscht hatte. Er hatte ihr erzählt, dass er sich zweimal in der Woche in Gießen mit einigen Malerfreunden traf – in Wirklichkeit war er dann immer zu Ellen gefahren.
»Wir haben uns einfach nichts mehr zu sagen!«, hatte Bernd erklärt, als er mit Ellen zusammensaß. »Heute ist es für mich unvorstellbar, dass ich Anne einmal geliebt habe.«
»Warum trennst du dich dann nicht von ihr?«, fragte Ellen.
Einen Augenblick lang war Stille auf dem Band des Diktiergerätes gewesen, das das Gespräch aufgezeichnet hatte. Dann war wieder Bernds Stimme erklungen: »Nein. Anne hat sich so sehr in mein Leben gemischt, dass ich sie nicht einfach herausstreichen kann.«
»Rache«, sagte Ellen in die Stille hinein. »Ist es das, was du willst?«
Bernds Stimme war leise von dem Band gekommen, kaum zu verstehen: »Sie hat mich kaputtgemacht. Ihre Ratschläge waren in Wirklichkeit Vorschriften und ihre dauernde Fürsorge nichts anderes als Kontrolle. Wenn ich jemals wieder frei sein will, muss ich sie umbringen. Erst wenn sie tot ist, werde ich wieder richtig malen können.«
»Mag sein«, hatte Ellen erwidert. »Wann wirst du sie töten?«
»Bald«, erwiderte Bernd. »Du musst mir helfen. Wir betäuben sie und bringen sie zu dem Steinbruch bei Ebsdorfergrund. Ich werde sie mit dem Wagen hinunterstürzen.«

Anne hatte Bernds Beziehung zu Ellen von Anfang an aufmerksam beobachtet. Sie war nicht eifersüchtig auf Ellen, weil sie wusste, dass die dunkelhaarige, schlanke Frau Bernd sicher mehr helfen konnte als jeder andere. Ellen konnte zuhören, sich in Bernds Gedankenwelt hineinversetzen. Das hatte seine Bindung an sie noch verstärkt; er brauchte Selbstbestätigung, weil ihn seine dauernden Misserfolge als Maler deprimierten.
Anne hatte versucht, Bernd zu fördern, indem sie einen Galeristen in Frankfurt dazu überredete, seine Bilder auszustellen. Für eine Woche hatte Bernd wie in einem Rausch gelebt, dann war aus seinem Traum ein Alptraum geworden. Die Meinung der eingeladenen Kritiker war verheerend.
»Sie hassen mich!«, hatte Bernd mit gebrochener Stimme geflüstert, als er während der Vernissage mit Anne an der Sektbar stand.
Schweiß stand ihm auf der Stirn, er zitterte. Anne kannte diesen Zustand bei ihm – nur ein falsches Wort, und er würde einen hysterischen Anfall bekommen.
Doch da war plötzlich war Ellen zu ihnen getreten, hochgewachsen, dunkelhaarig, attraktiv. Eine Bekannte des Galeriebesitzers.
»Beruhigen Sie sich!«, hatte sie mit ihrer kehligen Stimme gesagt und Bernd dabei angesehen. »Ich gebe Ihnen etwas, das Ihnen hilft, sich zu entspannen.« Sie wandte sich an Anne und fuhr fort: »Ich bin Ärztin. Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich mich um Ihren Mann kümmere, oder?«
Ellen hatte ihm wirklich geholfen. Während der Ausstellung und auch während des ganzen folgenden Jahres.
Obwohl Bernd versuchte, seine Treffen mit Ellen geheimzuhalten, war Anne stets genau informiert. Sie hörte sich die Aufnahmen seiner Gespräche mit Ellen an und wurde so Ohrenzeugin, wie in ihm der Plan reifte, sie zu töten.
»Ich glaube, mit dem Kühlwasser stimmt etwas nicht«, sagte Bernd plötzlich. Anne zuckte zusammen, obwohl sie gewusst hatte, dass er das sagen würde. »Besser, wir schauen, dass wir eine Gelegenheit finden, es aufzufüllen.«
»Ja«, sagte Anne. Sie spielte mit.
Bernd fuhr rechts in einen Privatweg. Nach ungefähr hundert Metern passierten sie ein Steinportal, hinter dem ein weitläufiger Park begann. Die Straße führte weiter zu einer prächtigen Jugendstilvilla.
Auf der Freitreppe stand Ellen. Bernd stellte den Motor ab und stieg aus.
»Hier ist sie!«, sagte er zu Ellen. Sein Lächeln war verzerrt, während er auf Anne deutete. »Wir müssen sie töten, damit ich endlich wieder meine eigenen Bilder malen kann.«

Anne trat zu Dr. Ellen Lagarde, der Leiterin des Privatsanatoriums »Waldesruh«. Ellen legte beruhigend ihre Hand auf Annes Schulter.
»Es ist das Beste für Ihren Mann«, sagte sie. »Er ist hochgradig schizophren. Sie haben selbst die Aufnahmen meiner Gespräche mit ihm gehört. Er hat nicht einmal wahrgenommen, dass er zu therapeutischen Sitzungen bei mir war. Und als er den Plan fasste, Sie umzubringen, Anne, hat er die Grenze endgültig überschritten.«
Zwei Männer waren aus dem Haus gekommen und hatten Bernd in die Mitte genommen. Ellen zog Anne ins Foyer des Sanatoriums und reichte ihr einige Papiere. »Die Einweisung und der Antrag, dass Sie seine Betreuerin werden. Bitte unterschreiben Sie, Anne.«
 


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04 Ralph Petersen: Angst ist kein Alibi

Beckrath fuhr hoch. War da ein Geräusch gewesen? Es war halb drei nachts. Er lauschte. Nichts. Oder war da doch ein leises Schaben? Er schlüpfte in seinen Morgenmantel. Ein Einbrecher? An der Schlafzimmertür zögerte er. Besser, er ging kein Risiko ein. Er schlich zum Bett zurück, nahm das Handy vom Nachttisch und wählte den Notruf.

»Sie, Frau Kommissarin?«, fragte er erstaunt, als er zehn Minuten später einer sportlichen, brünetten Frau die Tür öffnete. Zwei Uniformierte waren bei ihr.
»Ich habe heute Nacht Dienst in der Kriminalbereitschaft«, sagte Kommissarin Katja Kampp. Sie trat ein und blickte sich um. »Das ist doch Raimund Webers Haus gewesen, ja?«
»Ja«, sagte Beckrath. »Ich habe es übernommen, nachdem Weber … gestorben ist.«
»Richtig, jetzt erinnere ich mich«, sagte die Kommissarin. »Der Mordfall Weber. Weber wurde erschossen im Stadtpark gefunden. Bei den Ermittlungen haben wir uns kennen gelernt, nicht wahr? Der Täter ist immer noch auf freiem Fuß! Glauben Sie, dass dieser Einbruch bei Ihnen etwas mit seinem Tod zu tun hat?«
»Keine Ahnung«, erwiderte Beckrath.
Die Streifenbeamten hatten sich unterdessen im Haus umgesehen. »Nichts, Frau Kommissarin!«, meldete der Streifenführer.
»Sie haben sich wohl getäuscht, Herr Beckrath«, meinte Katja Kampp leichthin. »Dann noch eine gute Nacht!««

Beckrath saß im dunklen Wohnzimmer. Dass jetzt ausgerechnet die Kommissarin aufgetaucht war, die damals die Ermittlungen im Mordfall Weber geführt hatte – war das nur Zufall?
Sie hatte ihm seinerzeit nichts nachweisen können. Wie auch – bei dem Mord an Weber hatte ihn niemand beobachtet. Daraus, dass er als Webers Kompagnon nach dessen Tod die Geschäftsanteile und auch sein Haus erbte, konnte man ihm keinen Strick drehen.
In der Küche klapperte etwas. Beckrath zuckte zusammen. Er spürte, wie die Angst wieder in ihm hochkroch. Da war doch jemand! Leise erhob er sich und huschte in den Keller. Die Pistole lag versteckt hinter einem losen Stein in der Kellerwand, gleich neben dem Weinregal. Das kühle Metall der Waffe in der Hand beruhigte ihn. Er schlich wieder nach oben. Im Wohnzimmer wehte die Gardine vor der Terrassentür herein. Hatte er die Tür nicht abgeschlossen? Beckrath richtete die Pistole auf die Terrassentür. »Kommen Sie raus!«
Eine Gestalt löste sich aus dem Dunkel. »Ich hoffe, ich habe Sie nicht erschreckt!«, sagte Kommissarin Katja Kampp. Sie hatte die beiden Streifenbeamten im Schlepptau. Die Pistole zerrte plötzlich wie ein Tonnengewicht an Beckraths Hand. Katja Kampp nahm ihm die Waffe ab. »Mit einer solchen Waffe wurde Weber erschossen.« Sie musterte sie genau. »Oder war es etwa genau diese Waffe, Herr Beckrath? Was, meinen Sie, werden unsere Ballistikexperten herausfinden, wenn sie die Geschossspuren mit denen an der Kugel vergleichen, die Ihren Kompagnon Weber tötete?«
Aus!, schoss es Beckrath durch den Kopf. »Sie haben mich reingelegt!«, presste er hervor. »Sie haben hier vorhin Geräusche gemacht, damit ich denken sollte …«
»Aber, aber!«, sagte Katja Kampp und zog ihre Handschellen heraus. »Ich bin mit den Kollegen hier nur noch mal ums Haus gegangen, um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist – und dabei haben wir entdeckt, dass die Terrassentür offen stand!«
»Genau, Chefin!«, erklärte der Streifenführer. »Wir wollten Herrn Beckrath nur noch schnell sagen, dass er ordentlich abschließen soll.«

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Sonntag, 8. Februar 2015

Retro-Krimis: Zurück in die Achtziger

H. P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept – Band 10:
Die Retro-Edition – mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


 

Die Achtziger – das sind die Jahre von Horst »Schimmi« Schimanski, von Kreml-Flieger Mathias Rust, dem Tod von Uwe »Ehrenwort« Barschel und dem Beginn der langen Ära Helmut »Birne« Kohl, der uns als Bundeskanzler durch die deutsche Wiedervereinigung am Ende des Jahrzehntes führte.
Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen noch »Derrick« und »Columbo« ermittelten. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco.


Story Nummer 12
Ria Richartz: Einer ist immer der Dumme
 

Gemütliche Zechenhäuschen, im Garten ein Kaninchenstall und ein Taubenschlag. Und dahinter erhebt sich der Förderturm eine Zeche, in die die Kumpel einfahren. Das ist das Klischee vom Ruhrgebiet, von dem man sich in den Achtzigern verabschiedete. Die Kohle- und Stahlkrise hatte bereits zwanzig Jahre zuvor begonnen und mit Zechenschließungen und der Aufgabe der Kokereien und Hochöfen den Strukturwandel im Revier eingeleitet. Aber natürlich gab es überall noch die Zeugen der Vergangenheit, wie man in der folgenden Geschichte erfährt.

Als Eric die Meldung in den Lokalnachrichten des WDR hörte, fuhr er auf.
»Nach einem Schusswechsel«, sagte der Nachrichtensprecher, »wurde heute Vormittag in Bottrop-Boy der siebenunddreißigjährige Berufsverbrecher Jacko Amsfeld verhaftet. Amsfeld soll mit zwei noch nicht identifizierten Komplizen den Überfall auf die Stadtsparkasse am letzten Mittwoch verübt haben. Er wurde ertappt, als er in einem Kaufhaus ein Päckchen Zigaretten stehlen wollte, und machte sofort von der Schusswaffe Gebrauch, als der Hausdetektiv ihn stellte.«
Eric fluchte. Das war typisch für Jacko. Schon als Kind hatte Eric seinen Bruder nicht sonderlich leiden können. Jackos Leben schien nur aus Fitnesstraining zu bestehen, seine Ernährung aus Gesundheitsriegeln, Eiweißshakes und Nahrungsergänzungsmitteln. Jacko wog hundert Kilo und war extrem stolz auf seinen athletischen Körperbau. Eric dagegen sah sich mehr als Mann der planenden Intelligenz. Schmal und blass war er, ein Nichts im Vergleich zu Jacko, dem Muskelpaket.
Als das Telefon klingelte, nahm Eric sofort ab. Es war Benny, der ebenfalls Radio gehört hatte.
»Mist!«, fluchte er. »Wir hätten Jacko nicht die ganze Beute überlassen sollen. Der sitzt jetzt mit den ganzen siebzigtausend Schleifen rum!«
»Er wird sie gut versteckt haben«, sagte Eric. Er kannte seinen Bruder.
»Dann sollten wir sie schleunigst holen«, sagte Benny. »Bevor er der Polizei erzählt, wo er sie hingelegt hat.«



Mord nach Rezept - Band 10  
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