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Sonntag, 25. Juli 2021

Am Nachmittag

Am Nachmittag

 Lovestory von Helen Graf

 Sylvia öffnete leise die Wohnungstür. Aus dem Wohnzimmer klang leise Musik. Auf Zehenspitzen schlich Sylvia durch die Diele. Hans  lag auf dem Bauch vor dem Plattenspieler und studierte gerade ein dickes Buch. Ein Stapel Blätter lag neben ihm auf dem Boden. Er hatte sich Notizen gemacht. Zwischen den Zähnen hielt er einen Bleistift, während er sich mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand nachdenklich das Ohrläppchen rieb.
  »Störe ich dich?«, fragte sie.
  Er hob den Blick und schien keineswegs überrascht, sie hier zu sehen.
  »Aber nein, Liebes!«, sagte er und erhob sich‚ um sie in die Arme zu nehmen. »Ich glaube, ich habe für heute genug für mein Studium gearbeitet. Aber du machst so einen bekümmerten Eindruck - ist etwas passiert?«
  Sie legte den Kopf an seine Brust und spürte, wie seine Hand zärtlich über ihr Haar glitt.
  »Ja«, flüsterte sie. »Es ist etwas passiert. Du kennst doch meinen Vater...«
  »Ja, deinen Vater!«, sagte Hans mit belegter Stimme. »Paul Krumm, einer der reichsten und angesehensten Männer in der Stadt. Er bringt einem armen, mittelosen Studenten wie mir wohl keine großen Sympathien entgegen!«
  »Er möchte, dass ich einen reichen Brauereierben heirate!«, gestand sie ihm. »Heute Morgen am Frühstückstisch hat er mir gesagt, dass der junge Mann zum Wochenende zu uns kommt. Er wird bei uns wohnen, damit wir uns näher kennenlernen können!«
  »Und was hast du gesagt?«, fragte Hans.
  »Ich habe ihm klargemacht, dass ich nur dich liebe, und dass ich dich heiraten möchte, sobald du dein Examen bestanden hast. Und weißt du, wie Vater dich daraufhin genannt hat? Einen Mitgiftjäger! Für ihn bist du nur ein Mann, der sich an die Erbin einer großen Firma und eines noch größeren Vermögens herangemacht hat!«
  »Ich kann die Haltung deines Vaters verstehen!«, entgegnete der junge Mann. »Er kann ja nicht wissen, was ich für dich empfinde. Ich liebe dich, nicht das Geld, das du irgendeinmal haben wirst. Ich würde dich auch lieben, wenn du arm wie eine Kirchenmaus wärst...«
  »Vater ist daraufhin sehr wütend geworden!«, fuhr Sylvia fort. Als er erkannte, dass ich fest entschlossen bin, zu dir zu halten, hat er seinen Rechtsanwalt angerufen.«
  »Seinen Rechtsanwalt?« Hans runzelte die Stirn »Wozu hat er das getan?«
  »Er möchte heute Nachmittag sein Testament ändern. 'Wenn dieser Student dich so eingewickelt hat‹, hat er gesagt, ›dass du nicht mehr von ihm loskommst, dann soll er nicht auch noch mein ganzes Vermögen in die Hände bekommen, wenn ich einmal sterben sollte. Ich werde dich enterben!‹ Er will  ein neues Testament aufsetzen, in dem  sein ganzer Besitz und die Firma nach seinem Tod in eine wohltätige Stiftung übergehen soll. Nur, weil er verhindern möchte, dass eine reiche Frau bekommst!«
  »Aber Liebes!« Er sah sie erstaunt an. »Das ist doch kein Grund, traurig zu sein. Jetzt  können wir endlich unbelastet von allem heiraten! Niemand wird mehr denken, dass ich es darauf abgesehen habe, eine reiche Erbin zu heiraten. Denn ich liebe dich so, wie du bist, Sylvia, ob du nun eine Million erbst oder nicht. Wir werden uns eine eigene Existenz aufbauen. Ich werde für unserem Glück arbeiten... aber was ist denn, du weinst ja?«
  »Verzeih mir!« flüsterte sie. »Für einen Augenblick hatte ich wirklich gedacht, dass du dich von mir trennen würdest, wenn du die Neuigkeit erfährst. Verzeih, dass ich gezweifelt habe!«


  Wussten Sie schon,

  ...dass ein Steckenpferd nicht unbedingt ein Hengst sein muß?
  ...dass nicht jede Geige ein Streichholz ist, auch wenn man darauf zündende Musik machen kann?
  ...dass man einen Flügel auch streichen kann? Allerdings nur mit Spezialfarbe.
  ...dass nicht jeder Bayer in Leverkusen hergestellt worden ist?
  ...dass Schiffe zwar oft einen Mast haben; seltener aber einen Darm?
  ...dass es zwar Strumpfhosen, aber keine Strumpfjacken gibt?
  ...dass es zwar Strumpfhosenträgerinnen, aber keine Strumpfhosenträger gibt? ( Gürtel aber auch nicht! )

 

Ein Mord in einem verschlossenen Raum, ein tückisch arrangierter Unfall, ein vergifteter Drink – in jedem Fall ein Fall für Kommissarin Katja Kampp von der SOKO RUHR. Mit messerscharfer Kombinationsgabe und einer gehörigen Portion Menschenkenntnis ermittelt die clevere Kriminalistin innerhalb kürzester Zeit, wer der Täter ist.





Dabei ist der Leser bei diesen fünfzig Ratekrimis von H.P. Karr immer auf Augenhöhe mit der ebenso charmanten wie smarten Ermittlerin. Gemeinsam mit ihr kann er den Tätern auf Spur kommen. Denn in jeder Story gibt es mindestens einen Hinweis, der den Täter überführt. Ist es ein falsches Alibi, eine dreiste Lüge oder ganz ein dummer Fehler im Mordplan?
Katja Kampp löst den Fall auf jeden Fall – Sie auch?

H.P. Karr
Ein Fall für Kommissarin Katja Kampp
bei amazon

 


Sonntag, 4. April 2021

Organisation ist alles

 

Organisation ist alles

Story von Michael Rolandt

Lis kam nach Hause. Staunend sah sie sich in der Küche um.
   »Du hast meinen Kuchen mit Schokolade glasiert?«, fragte sie.
   »Jawohl!«, sagte ich.
   Sie strich über die Fensterbank und betrachtete ihr Spiegelbild in der blanken Scheibe.« Auch das Fenster hast du geputzt!« :
   »Genau!«
   Ihr Staunen wurde noch größer, als sie über die Regalbretter strich.« Und hier hast du auch saubergemacht? »
   »In der Tat!«  
   »Sag! mal, hast du etwa auch die Fliesen poliert?«, erkundigte sie sich,
   »Ja, ich habe auch die Fliesen poliert!« bestätigte ich.
   »Und den Fußboden, den hast du aufgewischt, nicht wahr?«
   »Ja, genau!«
   Sie gab mir einen Kuss. Dann schnüffelte sie.« Und du hast auch noch ein Bad genommen! »
   »Ja, ich habe auch noch gebadet!«, bestätigte ich.
   »Und das alles, während ich nur eine Viertelstunde lang fort war!«
   »Genau!«
   »Du bist ein Schatz!«, sagte sie.« Doch warum das alles? »
   »Damit du endlich einmal siehst, dass der ganze Haushalt viel weniger Zeit in Anspruch nimmt, wenn man alles gut durchorganisiert!«, sagte ich.
   Oder hätte ich ihr  etwa sagen sollen, dass ich vergessen hatte, den Handmixer auszuschalten, bevor ich ihn aus der Schüssel hob, in der ich die Schokoladencreme für den Kuchen geschlagen hatte?
   
  

Alles nur aus Liebe – Band 2
Geschichten aus dem wahren Leben

Aufgezeichnet von Mara Mainau
Erneut hat Mara Mainau zwei Dutzend bewegende Lebens- und Liebesgeschichten aufgezeichnet und in diesem Sammelband zusammengestellt. Es sind nicht nur romantische Lovestories und offene Bekenntnisse, es sind oft auch dramatische Schicksalsberichte. Hier erzählen Frauen offen und ehrlich von den wichtigsten, entscheidenden und emotionalsten Phasen ihres Lebens. Es sind Geschichten über die Kraft der Liebe und die Macht des Schicksals.
Ebook bei amazon

»Meine Mutter verführte meinen Mann.«

Meine Mutter fand meinen zukünftigen Mann nett. Was sie wirklich darunter verstand, das fand ich erst heraus, als es schon zu spät war. Aus meiner Mutter war eine Rivalin geworden.

»Ich habe meinen Mann in den Tod getrieben.«

Ich wollte doch nur das Beste - für meinen Mann, für mich, für unsere Ehe. Doch erst als es zu spät war, begriff ich, dass ich Thorwald mit meinen Ansprüchen in den Tod getrieben habe.


Die Entscheidung

Lovestory von Mara Mainau

Sylvia öffnete leise die Wohnungstür. Aus dem Wohnraum klang leise Musik. Auf Zehenspitzen schlich Sylvia durch die Diele. Hans lag auf dem Bauch vor dem Lautsprechern und studierte gerade ein dickes Buch. Ein Stapel Blätter lag neben ihm auf dem Boden. Er hatte sich Notizen gemacht. Zwischen den Zähnen hielt er einen Bleistift, während er sich mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand nachdenklich das Ohrläppchen rieb.
   »Störe ich dich?« fragte sie.
   Er hob den Blick und schien keineswegs überrascht, sie hier zu sehen.
   »Aber nein, Liebes!«, sagte er und erhob sich‚ um sie in die Arme zu nehmen. »Ich glaube, ich habe für heute genug für mein Studium gearbeitet. Aber du machst so einen bekümmerten Eindruck - ist etwas passiert?«
   Sie legte den Kopf an seine Brust und spürte, wie seine Hand zärtlich über ihr Haar glitt.
   »Ja!«, flüsterte sie. »Es ist etwas passiert. Du kennst doch meinen Vater …«
   »Ja, deinen Vater!«, sagte Hans mit belegter Stimme. »Paul Krumm, einer der reichsten und angesehensten Männer in der Stadt. Er bringt einem armen, mittelosen Studenten wie mir wohl keine großen Sympathien entgegen!«
   »Er möchte, dass ich einen reichen Brauereierben heirate!«, sagte sie. »Heute Morgen am Frühstückstisch hat er mir gesagt, dass der junge Mann zum Wochenende zu uns kommt. Er wird bei uns wohnen, damit wir uns näher kennenlernen können!«
   »Und was hast du gesagt?«, fragte Hans.
   »Ich habe ihm klargemacht, dass ich nur dich liebe, und  dass ich dich heiraten möchte, sobald du dein Examen bestanden hast! Und weißt du, wie Vater dich daraufhin genannt: hat? Einen Mitgiftjäger! Für ihn bist du nur ein Mann, der sich an die Erbin einer großen Firma und eines noch größeren Vermögens herangemacht hat!
   »Ich kann die Haltung deines Vaters verstehen!«, entgegnete der junge Mann. »Er kann ja nicht wissen, was ich für dich empfinde. Ich liebe dich, nicht das Geld, das du irgendwann einmal haben wirst. Ich würde dich auch lieben, wenn du arm wie eine Kirchenmaus wärst...«  
   »Vater ist daraufhin sehr wütend geworden!«, fuhr Sylvia fort. »Als er erkannte, dass ich fest entschlossen bin, zu dir zu halten, hat er seinen Rechtsanwalt angerufen.«
   »Seinen Rechtsanwalt?« Hans runzelte die Stirn »Wozu hat er das getan?«
   »Er möchte heute Nachmittag sein Testament ändern. ›Wenn dieser Student dich so eingewickelt hat‹, hat er gesagt,› dass du nicht mehr von ihm loskommst, dann soll er nicht auch noch mein ganzes Vermögen in die Hände bekommen, wenn ich einmal sterben sollte. Ich werde dich enterben!‹  Er will in sein neues Testament schreiben, dass sein ganzer Besitz und dir Firma nach seinem Tod in eine wohltätige Stiftung übergeht. Nur, weil er verhindern möchte, dass eine reiche Frau bekommst!«
   »Aber Liebes!« Er sah sie erstaunt an. »Das ist doch kein Grund, traurig zu sein. Jetzt können wir endlich unbelastet von allem heiraten! Niemand wird mehr denken, dass ich es darauf abgesehen habe, eine reiche Erbin zu heiraten. Denn ich liebe dich so, wie du bist, Sylvia, ob du nun eine Million erbst oder nicht. Wir werden uns eine eigene Existenz aufbauen. Ich werde für unser gemeinsames Glück arbeiten... aber was ist denn, du weinst ja?«
   »Verzeih mir!«, flüsterte sie. »Für einen Augenblick hatte ich wirklich angenommen, dass du dich von mir trennen würdest, wenn du die Neuigkeit erfährst. Verzeih, dass ich gezweifelt habe!«  
   
   
 

Credits:
Michael Rolandt: Organisation ist alles

Mara Mainau: Die Entscheidung
© by authors / R.Jahn
Published by krimiladen.blogspot.com
4/2021
Verbreitung nur mit Genehmigung

Story der Woche

Image GmbH

Story von Ralph Petersen

In unserer Straße hatte ein neuer Laden eröffnet. Das Schaufenster erstrahlte allerdings nicht in der üblichen Eröffnungsdekoration. Nur ein Schild stand darin: IMAGE-GmbH. Neugierig betrat ich eines Nachmittags den Laden. Ein freundlicher Herr mittleren Alters empfing mich.
   »Was verkaufen Sie in Ihrem Geschäft?«, fragte ich.
   »Persönlichkeiten!«, erwiderte der Mann freundlich. »Wenn Sie mir folgen, erkläre ich es Ihnen gern.« Er führte mich in ein großes Lager. Dort sah ich auf den Regalen leere Kaviardosen, daneben leere Wein- und Sektflaschen — überhaupt schien das Lager nur mit Müll gefüllt zu sein.
   »In unserer Gesellschaft«, sagte der Mann, »muß der Mensch stets darauf achten, dass er von seinen Mitbürgern als das anerkannt wird, was er gern möchte. Man achtet auf seine Kleidung, auf seinen Wagen, man achtet auf den Umgang, den er hat und man achtet nicht zuletzt auf den Müll, den er hinterlässt.«
   Ich hob misstrauisch die Augenbrauen. »Also glauben Sie wirklich, dass...«, begann ich.
   »Haben Sie noch nie bemerkt, wie kritisch man die Müll  der Nachbarn mustert?« unterbrach er mich. Ich konnte nichts negatives erwidern. Der Mann fuhr fort: »Wir verkaufen deshalb, wenn man es einmal so vulgär ausdrücken darf, in unserem Geschäft Müll. Zum Beispiel diese Kaviardose. Besonders geeignet für einen großbürgerlichen Haushalt. Deponiert man die Dose gut sichtbar unter dem etwa angehobenen Mülltonnendeckel, so kann man schon nach einigen Wochen einen deutlichen Prestigeanstieg verzeichnen. Sie dürfen übrigens versichert sein, dass alle Artikel, die wir verkaufen, hygienisch einwandfrei und somit gesundheitlich unschädlich sind. »
   »Aber warum?«, fragte ich. »Wenn man sein Prestige mit einer Kaviardose im Mülleimer heben kann, kann man sich doch eine  Dose Kaviar kaufen, den Inhalt essen und sie dann in den Mülleimer legen!«
   »Es gibt nun aber auch einmal Menschen, die keinen Kaviar mögen!«, belehrte mich der freundliche Mann geduldig. »Außerdem ist eine Dose Kaviar wesentlich teurer als eine Kaviardose. Aber dieser Verkauf von Einzelstücken nimmt nur einen kleinen Teil unseres Unternehmens in Anspruch.« Er führte mich in die hintere Hälfte des Lagers. Hier standen Mülltonnen herum, gekennzeichnet mit Schildern wie »Student«, »Single, weiblich«, »Intellektueller« oder auch »gutbürgerlich«.
   »Wir stellen hier Sets zusammen, die ganz und gar dem Image einer Person entsprechen!«, erläuterte er und klappte einen Tonnendeckel auf. »'Student' zum Beispiel. Diese Tonne enthält leere Rotweinflaschen, eine Menge bekritzeltes Papier, ein Unmenge Flyer von Pizzalieferdiensten, Brot- und Käserinden. Alles absolut imagewirksame Dinge, wir haben des getestet. Wir sorgen dafür, dass der Müll des Bestellers diskret entfernt wird und placieren dafür gut sichtbar unsere Tonne. Diese Sets erfreuen sich größter Beliebtheit, weil sie - anders als eine einzelne Kaviardose - ein abgerundetes Bild einer Persönlichkeit geben. Die 'Single, weiblich'-Tonne enthält zum Beispiel leere Konservendosen, einen Packen Zeitungen, sowie einige leere Proseccoflaschen, Zellstoffpads mit Lippenstiftabdrücke  und ein Paar Damenstrümpfe. Sie sehen also«, er räusperte sich, »wir denken an alles. Besonders schwierig ist die Zusammenstellung von Sets für ganze Familien. Dazu benötigen wir genauere Angaben über Lebensgewohnheiten, Zahl der Kinder und so weiter. Ich kann mit Recht behaupten, dass all unsere Sets bisher ein äußerst positives Echo gefunden haben. Unser größres Angebot ist das Drei-Monats-Programm. Innerhalb dieser Zeit steigern wir das Prestige indem wir langsam aber beständig, von Mülltonne zu Mülltonne auf der Prestigeleiter emporklettern. Wir fangen also, wenn der Scherz erlaubt ist, mit Sprudelflaschen an und hören mit Sektflaschen auf!«
   Erschreckend deutlich stieg in mir die Erinnerung auf, dass ich auf dem Weg zur Arbeit stets den Abfall meiner Nachbarschaft angesehen und unbewusst die verschiedenen Dinge registriert hatte, die unter den halboffenen Deckel ihrer Tonnen hervorgeschaut hatten. Zum Beispiel die  leeren Whisky- und Ginflaschen bei den Bankdirektor neben mir. Ein Paar zerlaufene Pumps bei der älteren Dame ein Haus weiter... Unvorstellbar, wenn all diese Leute meinem Müll die gleiche, wenn nicht sogar größere Beachtung schenkten. Ging die Bankiersgattin nicht stets zum Einkaufen, kurz nachdem die Müllmänner die Tonnen an den Straßenrand gestellt hatten. Sollte sie etwa ... Wenn sie nun diese schrecklichen Dinge bei mir gesehen hatte. Papierchen von Karamellbonbons, Beutel von Gummibärchen. Nicht auszudenken. Aber ich habe nun einmal eine Schwäche für Süßigkeiten.
   Da war aber auch schon wieder der freundliche Herr an meiner Seite und fragte, ob er mir vielleicht behilflich sein könne. Ich bejahte und bestellte für das nächste halbe Jahr jede Woche eine Mülltonne mit der Bezeichnung »Journalist - verkannter Schriftsteller!
   
  

Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert

Mord nach Rezept - Band 10:
Die Retro-Edition - mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.

  
   
  

 Die Idee

 Story von Michael Rolandt

Freddy war Schriftsteller. Oder er hielt sich wenigstens dafür. Einiges hatte er auch schon veröffentlicht, doch nun stand sein Sinn nach größerem. Freddy wollte ein Drehbuch schreiben. Also setzte Freddy sich hin, verfasste ein Filmdrehbuch und schickte es flugs an den nächsten Filmproduzenten, der ihm einfiel. Der bestellte Freddy kurz darauf tatsächlich in sein Büro.
   »Sie haben uns hier also ein Drehbuch vorgelegt!«, begann er.
   Freddy nickte. »So ist es!«
   Der Produzent blätterte gelangweilt in dem Manuskript. »Sie erzählen also die Geschichte eines jungen Mädchens. Dieses junge Mädchen ist hübsch und knackig... Dieses Mädchen verliebt sich also in zwei Männer!«
   »So ist es!«, bestätige Freddy.
   »Der eine Mann ist ein Schuft und der andere ein Held!«, fuhr  der Produzent fort. »Zuerst lernt das Mädchen den Helden kennen. Dann taucht der Schuft auf und spannt sie dem Helden aus. Richtig?«
   »Völlig richtig!«, sagte Freddy.
   »Gut — jetzt liebt also der Schuft das Mädchen, bis es dann erkennt, dass er ein Schuft ist. Und kehrt daraufhin reumütig zu dem Helden zurück, der während der ganzen Zeit auf sie gewartet hat. Auch richtig?«
   »Genau, so ist es!« Freddy sah den Produzenten betroffen an. »Ist der Stoff etwa nicht gut?«
   »Das ist doch alles nichts Neues!«, sagte der Produzent und gähnte. »Das gab es schon tausendundeinmal. Das will keiner mehr sehen. Das ist abgeschmackt, plump, kitschig, blödsinnig ... kein bisschen Originalität darin!«
   »Oh, ich habe etwas vergessen!«, sagte Freddy auf einmal. »Habe ich tatsächlich nicht erwähnt, wo das Ganze spielt?«
   »Wo spielt es denn?«
   »In einer Badewanne.«
   


Ralph Petersen: Image GmbH
Michael Rolandt: Die Idee
© by author / R.Jahn
Published by krimiladen.blogspot.com
4/2021
Verbreitung nur mit Genehmigung
  
   


Samstag, 3. April 2021

Begegnung in den Bergen

Begegnung in den Bergen

Lovestory von Mara Mainau

Sabine hatte noch keine Erfahrungen mit dem umbeständigen Wetter im Gebirge gemacht. Als die Gewitterwolken plötzlich aufzogen, lief sie zu einer kleinen Hütte, die direkt am Wege stand, während schon die ersten Tropfen fielen.
   Ein Mann öffnete auf ihr Klopfen. Er bat sie herein.
   »Hier sind Sie vor dem Unwetter sicher!«, sagte er. »Nehmen Sie doch Platz. Und bitte stören Sie sich nicht an der Unordnung!«
   Sabine setzte sich und betrachtete die zahlreichen Ölbilder, die herumstanden. Auf einer Staffelei stand das halbfertige Bild einer sehr schönen Frau. Aus jedem Pinselstrich sprach die Liebe des Malers zu seinem Modell.
   »Kaffee?«, fragte der Mann und hielt ihr eine Tasse hin, aus der es angenehm duftete. Er bemerkte Sabines Blick, der wie gefesselt an der Staffelei hing.
   »Sie war sehr schön«, sagte er leise. »Sie war meine Frau.
   Sabine nahm die Kaffeetasse und trank langsam, während sie versuchte, ihrer Gefühle Herr zu werden.
   »Darf ich sie etwas fragen?«, hörte sie plötzlich seine Stimme. Geistesabwesend nickte sie.
   »Jemand hat Sie enttäuscht, nicht wahr? Ich spüre es ganz genau.«
   Sabine nickte stumm. »Ich habe versucht, ihn zu vergessen«, sagt sie leise. »Deshalb mache ich hier Urlaub. Ich dachte, die Berge, die langen Wanderungen, die frische Luft und die Natur könnten die Wunden heilen. Aber sie sind immer wieder aufgebrochen.«
   »Man kann nichts vergessen, was einmal wichtig war!«, sagte er »Man muß sich darüber klar werden, welche Bedeutung es hatte. Erst dann kann man weiterleben.
   »Aber es ist schwer«, sagte Sabine nachdenklich.
   Er strich ihr sanft übers Haar. Überrascht sah Sabine ihn an. Seine Augen waren verschleiert. Er sah auf das Bild seiner Frau.
   »Wir waren sehr glücklich miteinander«, sagte er leise. »Aber wir hatten unser Glück auf einer Lüge aufgebaut. Wir wußten, daß es nicht von langer Dauer sein würde. Sie hat alles versucht, sie war immer so voller Hoffnung, daß es mir später beinahe das Herz zerriß, als ich sie sterben sah. Leukämie, unheilbar. Ich bin selbst Arzt und hatt ihr die Diagnoes gestellt. Ihr größter Wunsch war, ein Bauernhaus auf dem Lande zu besitzen. Ich habe dieses Haus gekauft, weil ich ihr ihren Traum erfüllen wollte. Wir waren sehr glücklich hier, die letzten Tage und Wochen. Aber der Tod ließ sich nicht aufhalten.
   »Wie lange...« Sabines Stimme versagte.
   »Sie ist vor zwei Jahren gestorben«, erwiderte der Mann. »Seitdem komme ich jeden Sommer hierher. In das Haus gehe ich beinahe nie, weil mich dort alles an sie erinnert. Aber hier in der Hütte kann ich sitzen und malen...«
   Sabine beobachtete ihn schweigend, wie er zur kleinen Feuerstelle ging und sich ebenfalls einen Kaffee eingoß.
   »Es ist schwer, sich über etwas klarzuwerden, das einen ganz aus der Bahn geworfen hat!«, sagte sie schließlich. »Aber ich glaube, sie haben mir Mut gemacht!« Sie erhob sich und trat ans Fenster. Der Regen hatte aufgehört und die Natur strahlte in neuer, lebendiger Frische. Der Mann war hinter sie getreten und zusammen betrachteten sie schweigend die in satten Farben erstrahlende Bergwelt, die sich im Licht der Nachmittagssonne vor ihnen erhob.
   »Ich muß gehen!« sagte Sabine plötzlich und legte ihre Hand auf seinen Arm. »Aber... darf ich einmal wiederkommen?«
   »Ja«, sagt der Mann. »Sie dürfen jederzeit wiederkommen!« Und er sah Sabine lange nach, bis ihre Gestalt hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden war.
   
      

Alles nur aus Liebe – Band 2
Geschichten aus dem wahren Leben

Aufgezeichnet von Mara Mainau
Erneut hat Mara Mainau zwei Dutzend bewegende Lebens- und Liebesgeschichten aufgezeichnet und in diesem Sammelband zusammengestellt. Es sind nicht nur romantische Lovestories und offene Bekenntnisse, es sind oft auch dramatische Schicksalsberichte. Hier erzählen Frauen offen und ehrlich von den wichtigsten, entscheidenden und emotionalsten Phasen ihres Lebens. Es sind Geschichten über die Kraft der Liebe und die Macht des Schicksals.
Ebook bei amazon

»Meine Mutter verführte meinen Mann.«

Meine Mutter fand meinen zukünftigen Mann nett. Was sie wirklich darunter verstand, das fand ich erst heraus, als es schon zu spät war. Aus meiner Mutter war eine Rivalin geworden.

»Ich habe meinen Mann in den Tod getrieben.«

Ich wollte doch nur das Beste - für meinen Mann, für mich, für unsere Ehe. Doch erst als es zu spät war, begriff ich, dass ich Thorwald mit meinen Ansprüchen in den Tod getrieben habe.


Credits:
Mara Mainau: Begegnung in den Bergen
© by authors / R.Jahn
Published by krimiladen.blogspot.com
4/2021
Verbreitung nur mit Genehmigung

   

Freitag, 2. April 2021

Gespräch im Park

 Gespräch im Park

Kurzroman von Mara Mainau

Mit einer halben Stunde Verspätung kam sie zu den vereinbarten Treffpunkt im Stadtpark. Er hatte sich bereits ungeduldig von der Parkbank erhoben, auf der er gewartet hatte, und sich zum Fortgehen  gewandt, als sie endlich auftauchte. Ihr Gesicht drückte Besorgnis aus.
   »Was ist geschehen?«, fragte er. »Hat es wieder Streit gegeben?«
   Die junge Frau nickte bedrückt. »Ja. Vater hat mir wieder vorgeworfen, dass ich auf einen Mitgiftjäger hereingefallen bin. Er kann es einfach nicht glauben, dass ich dich wirklich liebe. Er nimmt immer noch an, dass du es nur auf die riesige Erbschaft abgesehen. hast, die ich einmal antreten werde, wenn Vater stirbt.«
   »Irgendwie kann ich die Haltung deines Vaters verstehen!«, sagte der junge Mann und legte seinen Arm um die schmalen Schultern des Mädchens. »Er hat sich in jahrelanger, mühevoller Arbeit zu einem der wohlhabendsten Bürger unserer Stadt emporgearbeitet. Ihm gehören verschiedene Firmen und ein großes Haus am Stadtrand. Und nun befürchtet er, dass das alles nach seinem Tod, wenn du es erbst, in Hände fallen könnte, die es nicht verdient haben!« Er zog sie an sich und sah sie lange an. »Aber du musst mir eines versprechen, Liebes. Du darfst es nicht glauben, was dein Vater über mich sagt. Ich möchte dich so schnell wie möglich heiraten, weil ich dich liebe, und nicht, weil du eine reiche Erbin bist. Das darfst du nie vergessen, versprichst du mir das?« |
   »Das kann ich dir sogar leicht versprechen!«, erwiderte sie mit einem erleichterten Unterton in der Stimme. »Vater hat nämlich beschlossen, dass ich nichts erben soll!«
   »Was?«, stieß er hervor.
   »Als ich ihm klar und deutlich sagte,  dass ich dich um jeden Preis  heiraten werde, hat er sofort seinen Rechtsanwalt zu sich bestellt. Er wird dafür sorgen, dass die Firmen und aller Besitz meines Vaters in eine Stiftung umgewandelt werden, deren Leitung nach seinem Tod in die Hände von  integeren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Kirche und der Gemeinde übergeht. Was dann als sein Erbe für seine Angehörigen übrigbleibt, sind nur noch einige Tausend. Zuerst hielt ich das für einen verrückten Vorschlag, bis mir dann klar wurde, dass es die einzige Lösung ist. Jetzt können wir endlich unbelastet  heiraten.«
   »Er hat dich enterbt?«, stammelte der junge Mann fassungslos. »Und du willst, dass wir heiraten?«
   »Aber ja!« erwiderte sie.«
   »Und wovon sollen wir leben?«, wollte er wissen. »Ich verdiene nicht viel. ..«
   »Wir werden schon zurechtkommen!«, erklärte sie  optimistisch. »Gehen wir morgen zum Standesamt und bestellen das Aufgebot?«
   Er sah sie an und nahm ihre Hand. »Ich glaube«, sagte er dann langsam, »wir sollten es nicht übereilen. Wir müssen alles genau überlegen. Es ist eine schwerwiegende Entscheidung. Besonders jetzt, wo dein Vater sein Testament ändert...«
   »Ich habe dich schon verstanden!«, sagt die junge Frau bitter. »Du hast in mir nur die reiche Erbin gesehen. Wirklich geliebt hast du mich nicht. Mein Vater hatte von Anfang an recht.« Sie erhob sich. »Er hat sein Testament übrigens gar nicht geändert. Das war nur eine Prüfung, vor die ich dich gestellt habe. Ich wollte endlich Klarheit haben, ob du mich nur um meiner selbst oder meines Geldes wegen liebst. Und jetzt habe ich die Antwort gefunden.«
   Sie wandte sich auf dem Absatz um und ging mit schnellen, sicheren Schritten davon.

  

Alles nur aus Liebe – Band 2
Geschichten aus dem wahren Leben

Aufgezeichnet von Mara Mainau
Erneut hat Mara Mainau zwei Dutzend bewegende Lebens- und Liebesgeschichten aufgezeichnet und in diesem Sammelband zusammengestellt. Es sind nicht nur romantische Lovestories und offene Bekenntnisse, es sind oft auch dramatische Schicksalsberichte. Hier erzählen Frauen offen und ehrlich von den wichtigsten, entscheidenden und emotionalsten Phasen ihres Lebens. Es sind Geschichten über die Kraft der Liebe und die Macht des Schicksals.
Ebook bei amazon

»Meine Mutter verführte meinen Mann.«

Meine Mutter fand meinen zukünftigen Mann nett. Was sie wirklich darunter verstand, das fand ich erst heraus, als es schon zu spät war. Aus meiner Mutter war eine Rivalin geworden.

»Ich habe meinen Mann in den Tod getrieben.«

Ich wollte doch nur das Beste - für meinen Mann, für mich, für unsere Ehe. Doch erst als es zu spät war, begriff ich, dass ich Thorwald mit meinen Ansprüchen in den Tod getrieben habe.



Credits:
Mara Mainau: Gespräch im Park
© by author / R.Jahn
Published by krimiladen.blogspot.com
4/2021
Verbreitung nur mit Genehmigung

Mittwoch, 31. März 2021

Entscheidung im Park / Das Geheimnis im Keller

Entscheidung im Park

Von Michael Rolandt

Die Sonne meint es gut. Schon den ganzen Tag scheint sie auf den Stadtpark und auf den zahlreichen Bänken am Wegesrand genießen die Menschen die warmen Strahlen mit geschlossenen Augen und in den Nacken gelegten Kopf. In der leuchtenden Rhododendren-Pflanzung summen noch einige Bienen. Unter den duftenden Blütenzweigen hat sich auf einer einsamen Bank ein junges Paar niedergelassen.
  Sie sind beide kaum zwanzig Jahre alt, ein sportlicher junger Mann und ein hübsches, blondes Mädchen. Sie trägt ein schulterfreies Kleid aus einem leichten, bunten Stoff, das in einem reizvollen Kontrast zu dem gesunden Bronzeton ihrer sonnengebräunten Haut steht.
  Der Junge hat seinen Arm um die Schultern des Mädchens gelegt und nachdem sie sich in die Augen gesehen haben, will er es zu sich heranziehen, um sie auf ihre vollen roten Lippen zu küssen. Doch sie dreht plötzlich scheu den Kopf beiseite.
  »Nein...", sagt  sie leise und abwehrend. »Nicht Jetzt und nicht hier. Ich möchte nicht!"
  »Aber warum?" Der junge Mann ergreift zärtlich ihr Kinn und als sie ihren Blick abwenden will, hält er ihr hübsches Gesicht fest. »Warum?", fragt er noch einmal.
  »Ich... möchte einfach nicht!", erwidert  das Mädchen und senkt ihren Blick. »Es ist etwas geschehen.  Ich möchte mich von dir trennen!" Jetzt, wo es heraus ist sieht sie ihren Freund wieder an, mit einer Spur Trotz, aber auch ein wenig Trauer in ihrem Blick.
  Der junge Mann umklammert fassungslos ihre Hände. Seine Lippen bewegen sich, doch er bringt keinen Ton heraus.
  »Warum?", flüstert er schließlich.
  »Ich habe jemanden kennengelernt, den ich wirklich... ..liebe!" Das Mädchen  zieht seine Hände an sich. »Du darfst mir nicht böse sein, ja?"
  »Sag mir nur einen Grund, warum ich dir nicht böse sein sollte!", sagt der junge Mann verbittert. Seine Mundwinkel zucken.
  »Wir haben eine schöne Zeit miteinander verlebt!", sagt das Mädchen. »Und ich bin dir sehr dankbar dafür. Wir waren gute Freunde, sehr gute Freunde, und ich werde dich nie vergessen. Doch du musst mir glauben... ich liebe den anderen und wir möchten bald heiraten!"
  »Heiraten!" Beinahe spöttisch kommt das Wort von den Lippen des jungen Mannes. Abrupt erhebt er sich und will fortlaufen, doch das Mädchen springt ebenfalls auf und hält ihn zurück. »Lauf nicht im Zorn weg!", sagt sie. »Versprich mir, dass du mich in guter Erinnerung behalten wirst? Bitte, versprich es mir!"
  Unentschlossen sieht der junge Mann sie an. Schaut in das Gesicht, das er noch vor kurzem so zärtlich geküsst hat. Er spürt ihre Hand, die über seine Wange streicht. Schließlich sagt er langsam: »Ja, ich verspreche es dir!"
  Sie senkt ihren Blick und drückt seine Hand. Dann, ganz plötzlich, stellt sie sich auf die Zehenspitzen und haucht ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. »Danke!", flüstert sie und läuft davon.
  Der junge .Mann bleibt noch einen Augenblick verwirrt auf dem Weg stehen, dann wendet er sich langsam um und geht in die entgegengesetzte Richtung fort.


Alles nur aus Liebe – Band 2
Geschichten aus dem wahren Leben

Aufgezeichnet von Mara Mainau
Erneut hat Mara Mainau zwei Dutzend bewegende Lebens- und Liebesgeschichten aufgezeichnet und in diesem Sammelband zusammengestellt. Es sind nicht nur romantische Lovestories und offene Bekenntnisse, es sind oft auch dramatische Schicksalsberichte. Hier erzählen Frauen offen und ehrlich von den wichtigsten, entscheidenden und emotionalsten Phasen ihres Lebens. Es sind Geschichten über die Kraft der Liebe und die Macht des Schicksals.
Ebook bei amazon

»Meine Mutter verführte meinen Mann.«

Meine Mutter fand meinen zukünftigen Mann nett. Was sie wirklich darunter verstand, das fand ich erst heraus, als es schon zu spät war. Aus meiner Mutter war eine Rivalin geworden.

»Ich habe meinen Mann in den Tod getrieben.«

Ich wollte doch nur das Beste - für meinen Mann, für mich, für unsere Ehe. Doch erst als es zu spät war, begriff ich, dass ich Thorwald mit meinen Ansprüchen in den Tod getrieben habe.




 Das Geheimnis im Keller

 Von Ralph Petersen

 Nach Feierabend traf ich meinen Freund Bernhard im Bus.
  »Du machst so ein niedergeschlagenes Gesicht!", sagte ich. » Ärger in der Firma gehabt?"
  Bernhard nickte schwermütig. »Es fing schon am Morgen an. Meine Sekretärin hatte drei Briefe übers Wochenende liegengelassen und dadurch haben wir einen wichtigen Termin versäumt. Am Vormittag musste ich wegen der Sache zum Chef, und der hat mir ordentlich seine Meinung gesagt, über diese Schlamperei!"
  »Schlimm!", bestätigte ich. »Sehr schlimm!"
  »Aber das war noch nicht alles!", fuhr Bernhard fort. »Nach der Mittagspause machte ich eine kurze Überprüfung der Portokasse und musste dabei feststellen, dass unser Lehrling sich übers Wochenende fünfzig Mark  ›ausgeliehen‹ hatte!"
  »Jaja, die Jugend!", seufzte ich.
  »Ich ließ mir also den Lehrling kommen und sprach mit ihm über die Sache. Er hatte das Geld übers Wochenende beim Blackjack mit seinen Freunden verspielt und deshalb musste ich die fünfzig Mark in die Portokasse tun, bis er sie mir von seinem nächsten Gehalt zurückzahlen kann!"
  »Tzzz Tzzz, ein wirklich verteufelter Tag!", musste ich ihm beipflichten. »Es ist doch hoffentlich nicht noch mehr passiert?"
  »Oh, wenn das Unglück einmal zugeschlagen hat, dann lässt es einen so schnell nicht wieder los!", sagte Bernhard. »Am Nachmittag kam dann eine ganze Warensendung zurück, weil die gelieferten Sachen fehlerhaft waren und der Käufer beschwerte sich, weil er einen schweren Verdienstausfall dadurch gehabt. Er droht mit einer gerichtlichen Klage gegen unsere Firma!"
  »Na, ich beneide dich wirklich nicht, alter Junger!", sagte ich. »Soviel Ärger an einem einzigen Tag da muß man Ja an die Decke gehen!"
  Bernhard lud mich noch zu einem Bier in sein Häuschen ein. Nachdem ich Bettina, seine hübsche Frau begrüßt hatte, sagte Bernhard zu mir: »Du musst mich für einen Augenblick entschuldigen!"
  Sprach's und verschwand im Keller. Fünf Minuten später kehrte er mit einem Lächeln auf dem Gesicht und sichtlich erleichtert zurück. »So, jetzt können wir ein Bierchen trinken!"
  »Wo hast du denn deinen ganzen Ärger gelassen?", fragte ich erstaunt. »Du machst einen Eindruck, als hättest du alles von dir abgeschüttelt!"  
  »Das ist mein kleines Geheimnis!" Bernhard zog mich in den Keller. »Aber nicht weitersagen!", flüsterte er.
  In einem Kellerraum hatte er Blumentöpfe und anderes Tonzeug gestapelt. »Das ist Ausschussware aus dem Gartencenter nebenan!", sagte Bernhard. Er wog einen Tontopf in der Hand. »Ich bekomme es umsonst. Und wenn ich so eine richtige Wut im Bauch habe, dann gehe ich einfach in den Keller und..."
  Er schleuderte den Tontopf gegen die Wand, wo er knallend zersprang.
  ENDE
 
  


»Ich verkaufte mich für meine Tochter.«

Ich liebte meinen Mann Randolph über alles. Als er starb, entdeckte ich, dass er mir nichts als Schulden hinterlassen hatte. Da machte mir ein angeblich guter Freund ein schockierendes Angebot.
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»Ich muss immer wieder stehlen.
«

Ich bin süchtig nach diesem prickelnden Gefühl der Spannung, das Spiel mit dem Feuer erregt mich. Immer wieder gebe ich der Versuchung nach – obwohl ich weiß, dass es eines Tages mein Untergang sein wird.
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Michael Rolandt: Entscheidung im Park
Ralph Petersen: Das Geheimnis im Keller
© by authors / R.Jahn
Published by krimiladen.blogspot.com
3/2021
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