Posts mit dem Label Suggestion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Suggestion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. September 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 8




Zum Vorgang der Hypnose erklärte Professor Buhl: »Die Mechanik ist fast immer die gleiche. Der Blick in die Augen des Hypnotiseurs, die monotonen Worte, die streichelnden Berührungen, die über gewisse Nervenbahnen auf das Gehirnzellen einwirken. Diese werden zuerst gereizt und schließlich blockiert. In weiten Teilen des Gehirns setzt daraufhin eine Ermüdung ein und der Patient fällt in einen künstlichen Hypnoseschlaf. In diesem Zustand kann ihm der Arzt bestimmte Aufgaben suggerieren. Diese Befehle können sich über Zeiträume bis zu einem Jahr erstrecken!«

Solche posthypnotischen Befehle, wie sie in der Fachsprache genannt werden, dienten Professor Buhl und seinem Mitarbeitern zur Behandlung der verschiedensten Krankheiten. Man kann mit ihnen seelisch bedingte Zerstörungen beseitigen, Magenleiden und Bronchialasthma bekämpfen.

Kurzinfo Hypnose
Bei allen fasznierenden Möglichkeiten sind der Hypnose auch Grenzen gesetzt. Mit ihr kann man weder Blinde sehen lassen noch jemanden, der es nicht gelernt hat, plötzlich eine Fremdsprache beherrschen lassen. Und weiter ist entscheidend, daß die Hypnose die sittlichen Wertungen unseres Gewissens nicht aufzuheben vermag.
Hypnotische Aufträge zu Handlungen, die in der Person des Hypnotiserten starken sittlichen Widerstand auslösen, werden nicht ausgeführt. Das oft zitierte »Verbrechen unter Hypnose« ist also nicht möglich. 



Doch auch auf anderen Gebieten kann die Hypnose als Hilfmittel angewandt werden. So verzichten schon heute ein Teil der Zahnärzte auf die herkömmlichen Betäubungsmittel und hypnotisieren ihre Patienten. Im Hypnoseschlaf, wenn eine weitgehende Schmerzunempfindlichkeit eingetreten ist, können sie dann ohne weitere Komplikationen Zähne ziehen, Zahnstein entfernen oder eine Paradonditisbehandlung durchführen. Und noch einen weiteren Vorteil hat die Hypnosemethode: Damit der Patient keine nachträglichen Schmerzen spürt, gibt man ihm einen posthypnotischen Befehl, dass er nach dem Erwachen vollkommen schmerzfrei ist.

Besonders geeignet ist die Methode der Operation im schmerzlosen Hypnoseschlaf für Patienten, deren Kreislauf durch eine gewöhnliche Narkose übermäßig belastet würde. Auch bei Geburten wird die Betäubung durch Hypnose angewandt, um dem Neugeborene unnötige Belastungen zu ersparen.

Auch mancher Mensch mit Übergewicht verdankt der von Dr. Buhl entwickelten Hypnosetherapie ein neues Leben. Man muss die überflüssigen Kilos nicht mehr mit schweißtreibender Fitnessübungen abtrainieren. Auch Diäten oder der Einsatz von Appetitzüglern sind durch Dr. Buhl revolutionäre Therapie überflüssig geworden. Seine Erklärung: »Schon unsere ersten Gewichtsreduzierungs- Behandlungen haben großartig eingeschlagen. Wir suggerierten den Patienten im Hypnoseschlaf, dass sie vor allem ihren Flüssigkeitsverbrauch einschränken sollten. Sie verloren daraufhin im Laufe von ein bis eineinhalb Monaten bis zu sechzehn Kilogramm ihres Körpergewichtes.«

Auf die gleiche Art könnten Alkoholiker und Raucher behandelt werden. Voraussetzung ist allerdings stets, daß der Patient der Behandlung vorbehaltlos zustimmt und den festen Willen hat, abzunehmen, beziehungsweise das Trinken oder das Rauchen aufzugeben.


Hypnose wird unser Leben revolutionieren



In den meisten Fällen haben die Menschen diesen Entschluss gefasst und werden durch die starken Entzugserscheinungen wieder rückfällig. Hier bietet die Hypnose die Möglichkeit, den Patienten bei der Umsetzung seines Entschlusses zu bestärken.

Dazu kommt die Suggestion, die die Ursache des Leidens an der Wurzel packt und dem Patienten einfach den Genuss sozusagen ›vermiest‹. So suggerierte Prof. Buhl den Übergewichtigen, wie erwähnt, dass sie ihren Flüssigkeitsverbrauch einzuschränken haben. Entsprechend kann man einem Alkoholiker suggerrieren, dass ihm alkoholische Getränke nicht mehr schmecken, daß er Ekel vor ihnen empfindet. Und einem Raucher kann man auf ähnliche Art und Weise von der Zigarette abbringen.
Hypnose und Suggestion sind dabei, unser Leben zu revolutionieren. Davon sind Wissenschaftler und Mediziner felsenfest überzeugt. Immer neue Pläne werden entwickelt, darunter auch ein Programm zur Massenhypnose von Schlafgestörten, bei desssen Ausführung das Fernsehen helfen kann. Dass Hypnose per Fernsehen möglich ist, beweist drastisch ein kurioses Vorfall in England.

Dort verfolgte der 18-jährige Peter Gorden eine Sendung, in der ein Show-Hypnotisieur auftrat, der behauptete, die Zuschauer via Bildschirm hypnotiseren zu können. Peter Gordon befolgte die Anweisungen das Hypnotiseurs extrem genau und versank tatsächlich in einen tiefen Hypnoseschlaf, aus dem ihm seine entsetzten Eltern nicht wecken konnten, Erst der eilig aus dem Fernsehstudio herbeigerufene Hypnotiseur konnte ihn aus dem Trancezustand zurückholen. Auf eine ähnliche Art und Weise sollen bald wissenschaftliche Experiment durchgeführt werden. Denn 98 Prozent aller Menschen können hypnotisiert werden, ein Viertel davon auf der Stelle. Die Gehirne der restlichen Personen reagieren offenbar langsamer auf die Suggestionen.

Unvorstellbare Dimensionen eröffnen sich. Schon vor achtzig Jahren gab es in den USA Schallplatten mit diversen Suggestionen, um die Menschen von Schlafstörungen oder Ängsten zu befreien.

Eine weitere Möglichkeit, die Hypnose einzusetzen, wurde bereits in den Niederlanden und Italien erprobt – es geht darum, dass Menschen sozusagen »im Schlaf« lernen können. Denn die Informationen, die im man im Hypnoseschlaf aufgenimmt, werden unauslöschbar im Unterbewusstsein gespeichert. Das einzige Problem dabei ist, eine Hypnoseschlaftiefe zu finden, bei der es möglich ist, daß der Patient sämtliche Informationen aufnimmt, sie aber nicht sogleich wieder vergisst, wenn er aus dem Hypnoseschlaf erwacht. Denn alles was der Patient in einem hypnotisierten Zustand erlebt oder erfährt unterliegt gewöhnlich nach dem Erwachen einer totale Amnesie – das heißt, der Patient kann sich nicht erinnern, was er erlebt hat und was um ihn herum geschah, während er hypnotisert war.

ENDE



Zurück zu Teil 5
Zurück zu Teil 6
Zurück zu Teil 7



Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept - Band 10: Die Retro-Edition - mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.

Samstag, 15. August 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 6


Dr. Schmitz zählt langsam von eins bis fünf. Bei fünf öffnet Jochen B. die Augen und blickt sich in dem Raum um. Es kann sich nicht daran erinnern, was in den letzten zehn Minuten geschehen ist.
Dieser Gedächtnisschwund nach dem Erwachen aus der Hypnose ist eine durchaus übliches Phänomen. Dr. Schmitz verwickelt Jochen B. in ein Gespräch, die Zeit vergeht. Bald sind fünf Minuten vorbei. Dr. Schmitz zieht die Vorhänge am Fenster auseinander, gleißendes Sonnenlicht flutet in den Raum. Pünktlich fünf Minuten nach seinem Erwachen steht Jochen B. plötzlich auf, geht zu dem Schreibtisch und zieht die Schublade heraus.
»Was tun Sie denn mit meinem Schreibtisch?«, fragt Dr. Schmitz scheinbar empört. Jochen B. wird rot. »Ich ... ich weiß nicht... ich dachte, Sie hätten vielleicht .. einen Brief für mich dort!«
Seine Ausrede ist fadenscheinig und leicht zu durchschauen. Der Student weiß selbst nicht, was ihn dazu trieb, zu dem Schreibtisch zu gehen und die Schublade herauszuziehen. Es war der suggerierte Befehl des Hynotiseurs, der ihn dazu zwang.



Hypnose ist kein Allheilmittel


Was ist das für eine seltsame, ja beinahe unheimliche Macht, mit der man einen Menschen vollkommen in seinen Bann ziehen, ihn vollkommen dem Einfluss einer anderen Person unterwerfen kann? Wie das Experiment von Dr. Schmitz zeigt, kann man durch eine einfache Suggestion Brandblasen erzeugen, man kann aber auch das Herz eines Menschen schneller oder langsamer schlagen lassen, man kann ihm vollkommene Schmerzlosigkeit oder Schmerzüberempfindlichkeit suggerieren. Und man kann sogar hoch Einfluss auf den Menschen ausüben, nachdem das Experiment beendet ist. Man kann einen Menschen erblassen oder erröten lassen, man kann seine Atmung regeln, in den Stoffwechsel eingreifen, indem man die Tätigkeit der Verdauungsorgane manipuliert und die Muskulatur des Darmes beeinflusst. Man kann Hauterkrankungen wie Ekzeme und ähnliches zum Verschwinden bringen und nervöse Störungen beseitigen. 
Warum wenden dann also Ärzte diese Technik der Hypnose nicht häufiger an? Warum gibt es dann noch überfüllte Wartezimmer und lange Wartelisten in den Kliniken, wenn man doch mit der Hypnose derart beeindruckende Ergebnisse erzielen kann?
Zunächst einmal: Die Hypnose ist kein Wunder- oder Allheilmittel. Sie kann zwar in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt werden, doch sie hat auch ihre Grenzen. Zuerst einmal erfordert eine Behandlung durch Hypnose das vollkommene Einverständnis des Patienten, sich hypnotisieren zu lassen. Damit ist nicht nur das formale Einverständnis gemeint, sondern auch der Glaube an die Hypnose und ihre besonderen, teilweise heilenden Fähigkeiten.
Bei eine medizinischen Hypnosetherapie werden die Selbstheilungskräfte aus dem Unbewussten des Patienten mobilisiert. Dadurch kann er etwa Schmerzen besser bewältigen oder auch seelische Schwierigkeiten leichter lösen.

Der russische Professor Paul I. Buhl hat festgestellt, dass 98 Prozent aller Menschen hypnotisierbar sind, davon 25 Prozent ohne größere Umstände. Die restlichen 73 Prozent reagieren langsamer, da entweder ihre Gehirnzellen eine langsamere Reaktionsgeschwindigkeit haben oder sie bringen der Hypnose eine kritische Grundhaltung entgegen und wehren sich bewusst gegen eine Beeinflussung. Ein weiterer sehr wichtiger Faktor bei einer Hypnosetherapie ist der enge Kontakt zwischen dem Hypnosearzt und dem Patienten bestehen muss. Es ist nicht möglich, dass ein Hypnosearzt einen ihm völlig fremden Menschen in einer Sitzung von einer Viertelstunde von seinen Leiden befreit.
Der Arzt muss die Vertrauensperson des Patienten sein, dieses Vertrauensverhältnis kann oft erst in mehreren Vorbereitungssitzungen aufgebaut werden
Besonders gut durch Hypnosetherapie zu behandeln sind Krankheiten, die durch psychologische Ursachen entstanden sind. Dazu zählen nicht nur Neurosen, Alkoholismus und auch einige Hautkrankheiten. Besonders gute Ergebnisse sind bei der Behandlung von Asthmaerkrankungen zu verzeichnen, wenn die Patienten bereits im Kindesalter mit der Therapie beginnen. Aber auch Erwachsene können mit Hilfe von Hypnose von einer Asthmaerkrakung weitgehend geheilt werden.


Da ist zum Beispiel der Fall Lydia C.. Als die junge Frau einen Hypnosearzt aufsuchte, war sie dreiunddreißig Jahre alt. Schlank, beinahe zerbrechlich wirkend und äußerst nervös. Sie litt seit ihrer Kindheit an chronischem Asthma.




Zurück zu Teil 5
Weiter zu Teil 7



Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept - Band 10: Die Retro-Edition - mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.

Dienstag, 4. August 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 5

Jochen B. gehorcht. Sein rechter Arm bleibt in der erhobenen Position, ohne dass er auch nach einigen Minuten die geringsten Ermüdungserscheinungen zeigt. Dr. Schmitz geht einen Schritt weiter.
»Ihr Arm ist vollkommen steif!«, sagt er. »Sie können ihn nicht mehr herunternehmen! Selbst wenn Sie es wollen, Sie können ihn nicht herunternehmen! Versuchen Sie jetzt, den Arm herunterzunehmen!«
Man sieht deutlich, wie Jochen B. versucht, den Arm wieder zu senken. Seine Lippen sind zusammengekniffen und seine Stirn gerunzelt. Doch der Arm bewegt sich nicht. Jetzt lehnt sich Dr. Schmitz mit seinem vollen Körpergewicht gegen den Arm, doch seine Anstrengung ist vergeblich. Die Muskeln des Armes befinden sich in einer kataleptischen Starre, einer vollkommenen Muskelstarre.
Im Zustand der Katalepsie kann man Gliedmaßen in Stellungen bringen, die im Wachzustand kaum erträglich sind und sie stundenlang in diesem Zustand belassen, ohne dass die geringsten Ermüdungszustände auftreten.
Nicht nur die Muskeln, sondern auch die Sinnesorgane eines Menschen können durch Befehle des Hypnotiseurs gesteuert werden.
Dr. Schmitz nimmt ein Geldstück aus seinem Portemonnaie.
»Ich zähle jetzt bis drei!«, sagt Dr. Schmitz. »Bei drei können Sie ihren Arm wieder bewegen! » Dr. Schmitz zählt und tatsächlich, sobald er die Zahl drei ausgesprochen hat, fällt der Arm des Studenten auf die Couch zurück. 



Täuschung der Sinne


Jetzt legt Dr. Schmitz das Geldstück auf den entblößten Unterarm des jungen Mannes. Dabei sagt er: »Ich lege Ihnen eine Münze auf den Arm. Die Münze habe ich eben aus dem Ofen genommen. Sie ist sehr heiß!«
Der Student zuckt zusammen. Und obwohl die Münze eine völlig normale Temperatur hat, kann man, nachdem Dr. Schmitz die Münze wieder entfernt hat, eine deutliche Rötung auf der Haut erkennen. Und es bilden sich Brandblasen.
Als nächstes nimmt Dr. Schmitz eine große Zwiebel aus deinem Schreibtisch und reicht sie dem Studenten. »Es ist ein herrlicher Apfel!«, suggeriert er ihm. »Beißen Sie nur hinein!«
Jochen B. beißt herzhaft in die Zwiebel und isst voller Genuss. Keine Meine verzieht er und seine Augen tränen nicht.
Ähnlich ist bei dem Glas Wasser, das Dr. Schmitz ihm reicht. »Hier habe ich ein Glas Sekt!«, sagt er. » Erstklassige Marke. Trinken Sie nur!«
Der Student trinkt und lächelt voller Genuss, schließlich trinkt er das ganze Glas aus.
Dr. Schmitz ist noch lange nicht mit seinem Experiment am Ende. Das alles waren bisher nur Fingerübungen. Langsam beginnt er, Jochen B. auszufragen. Er tastetet sich behutsam in die Kindheit des Studenten vor. »Sie sind vier Jahre alt!'', sagt er schließlich. »Es ist der dreiundzwanzigste August 19xx. Erzählen Sie bitte genau, was Sie an diesem Tag getan haben!«
Und Jochen B. beginnt zu erzählen. Er berichtet, dass er um acht Uhr morgens aufgestanden ist und dass draußen strahlender Sonnenschein herrschte. Er beschreibt die Sachen, die seine Mutter ihm zum Anziehen gab bis ins letzte Detail und berichtet minutiös, wie er mit seinen Eltern frühstückte und dass sein jüngerer Bruder sich beim Verlassen der Wohnung den Kopf an der Tür stieß. Dr. Schmitz stoppt die Erzählung des Studenten, denn mit dieser Präzision kann Jochen B. von jedem beliebigen Tag seines Lebens erzählen. Denn während unser Verstand seine Aufmerksamkeit nur auf die Dinge richtet, die aktuell Bedeutung für uns haben, so speichert das Unterbewusstsein jede einzelne Kleinigkeit unserer Umgebung und man kann die Erinnerung daran jederzeit abberufen, wenn man die Testperson in einen Hypnoseschlaf versetzt.
Dr. Schmitz kommt nun zu seinem letzten Experimentbeispiel. Es handelt sich dabei um eine sogenannte posthypnotische Suggestion, eine Suggestion also, die nach dem Erwachen des Hypnotisierten wirksam werden soll. Dabei kann man den Zeitpunkt, an dem dieser Befehl ausgeführt wird, genau bestimmen.
»Genau fünf Minuten nachdem Sie erwacht sind, werden Sie die Schublade meines Schreibtisches öffnen!«, sagte Dr. Schmitz. »Jetzt werde ich bis fünf zählen. Sobald ich die Zahl fünf ausspreche, werden Sie erwachen.«
Dr Schmitz zählt langsam von eins bis fünf. Bei fünf öffnet Jochen B. die Augen und blickt sich in dem Raum um. Es kann sich nicht daran erinnern, was in den letzten zehn Minuten geschehen ist.



Weiter zu Teil 6


Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept - Band 10: Die Retro-Edition - mit zwei Dutzend Krimis zurück in die Achtziger


Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha , Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.


Samstag, 18. Juli 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 1

Die Macht der Hypnose 



»Heute Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren, möchte ich Ihnen ein ganz besonderes Phänomen der Hypnose vorführen!« Der Mann, der im August 1922 diese Worte zu seinen Gästen spricht, ist der Münchener Professor Dr. Albert Freiherr von Schrenck-Notzing (1862 – 1929)
   Die Besucher, die sich in seiner Münchener Praxis zusammengefunden haben, sind bereit, Schrenck-Notzings Ankündigungen Glauben zu schenken, denn der bekannte Arzt und Parapsychologe hat schon mehrere Male durch verblüffende und manchmal sogar unheimlich wirkende Vorführungen der Hypnose das Erstaunen seiner Kollegen erregt.
   »Darf ich bitten!«
   Der Freiherr bittet seine Gäste, allesamt namhafte Wissenschaftler, in ein Nebenzimmer. Die Vorhänge sind zugezogen, nur eine einzige Gasflamme erhellt den Raum. Wände und Einrichtung sind in dunklen Farben gehalten. Die Wissenschaftler nehmen auf den Stühlen Platz, die im Halbkreis um die Couch an der Seitenwand aufgestellt sind.
   Professor Schrenck-Notzing führt nun ein ausnehmend hübsches, junges Mädchen herein.
   »Dies ist Fräulein Lina!«, stellt er sie den Anwesenden vor. Lina macht einen artigen Knicks. »Sie hat bereits Erfahrungen mit der Hypnose gemacht«, erläutert er, »und hat sich als besonders zugängliches Medium erwiesen!« Er schaut in die Runde und deutet auf einen jungen Mann im eleganten Anzug. »Lina, darf ich dir Dr. Schneider vorstellen?«
   Der junge Mann erhebt sich auf ein Zeichen des Professor und deutet eine Verbeugung an. »Sehr erfreut.«
   »Kommen wir nun zu unserem heutigen Experiment«, sagt Schrenck-Notzing, nachdem der junge Mann sich wieder gesetzt hat.
   Lina legt sich auf die Couch. Der Professor nimmt nun einen goldenen Ring, der an einem Faden hängt und lässt ihn vor Linas Augen leicht hin und herschwingen. »Sehen Sie bitte auf den Ring, auf nichts anderes als auf den Ring, Sie sehen nur noch den Ring!'' Schrenck-Notzings Stimme ist leise und monoton, aber dennoch fordernd. Die Gäste des Freiherrn schweigen. »Sie spüren, wie Ihre Augenlider schwerer und schwerer werden, schwerer und schwerer, schwerer und schwerer!« Und schließlich: »Sie schlafen, Lina, Sie schlafen fest und tief und hören nur noch meine Stimme. Hören Sie meine Stimme, Lina?«
   Das Mädchen liegt vollkommen entspannt auf der Couch, die Augen sind geschlossen, der Atem geht ruhig und gleichmäßig.
   »Ja, ich höre sie!«, sagt Lina.

Albert von Keller - Hypnose bei Schrenck-Notzing - ca1885
Albert von Keller - Hypnose bei Schrenck-Notzing - ca1885

 »Wenn Sie erwachen, werden Sie den hier anwesenden Dr. Schneider nicht mehr sehen«, sagt Dr. Schrenck-Notzing nun. Ein leises Raunen geht durch die Reihe der Gäste. »Sie werden Dr. Schneider nicht mehr erkennen!«, wiederholt der Schrenck-Notzing die Anweisung. »Er ist einfach nicht mehr für Sie da! Erst wenn ich das Wort ›Palme‹ ausspreche, können Sie Dr. Schneider wieder sehen.« Es ist totenstill. »Ich werde Sie jetzt erwachen lassen!« sagt Schrenck-Notzing. »Sobald ich die Zahl zwanzig ausgesprochen habe, werden sie erwachen und sich an nichts mehr erinnern, was während der Hypnose geschehen ist.
   Langsam beginnt Professor Schrenck-Notzing zu zählen. Gespannt sehen seine Gäste, wie Linas Augenlider zittern und sich schließlich bei der Zahl Zwanzig öffnen.



Weiter zu Teil 2


Ebook bei amazon
H.P. Karr präsentiert
Mord nach Rezept – Band 17: Ein Toter ist nicht genug
 

Mit Mord kommt keiner durch – oder doch? Es ist alles eine Frage der Planung. Oder nicht? Wenn clevere Kommissarinnen und smarte Kriminalbeamte ermitteln, muss sich mancher Mörder warm anziehen. Aber nicht nur Krimirätsel sorgen hier für Unterhaltung. Es gibt auch Psychothriller, Gaunergeschichten und knallharte Krimi-Comedy. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.