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Donnerstag, 3. September 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 8




Zum Vorgang der Hypnose erklärte Professor Buhl: »Die Mechanik ist fast immer die gleiche. Der Blick in die Augen des Hypnotiseurs, die monotonen Worte, die streichelnden Berührungen, die über gewisse Nervenbahnen auf das Gehirnzellen einwirken. Diese werden zuerst gereizt und schließlich blockiert. In weiten Teilen des Gehirns setzt daraufhin eine Ermüdung ein und der Patient fällt in einen künstlichen Hypnoseschlaf. In diesem Zustand kann ihm der Arzt bestimmte Aufgaben suggerieren. Diese Befehle können sich über Zeiträume bis zu einem Jahr erstrecken!«

Solche posthypnotischen Befehle, wie sie in der Fachsprache genannt werden, dienten Professor Buhl und seinem Mitarbeitern zur Behandlung der verschiedensten Krankheiten. Man kann mit ihnen seelisch bedingte Zerstörungen beseitigen, Magenleiden und Bronchialasthma bekämpfen.

Kurzinfo Hypnose
Bei allen fasznierenden Möglichkeiten sind der Hypnose auch Grenzen gesetzt. Mit ihr kann man weder Blinde sehen lassen noch jemanden, der es nicht gelernt hat, plötzlich eine Fremdsprache beherrschen lassen. Und weiter ist entscheidend, daß die Hypnose die sittlichen Wertungen unseres Gewissens nicht aufzuheben vermag.
Hypnotische Aufträge zu Handlungen, die in der Person des Hypnotiserten starken sittlichen Widerstand auslösen, werden nicht ausgeführt. Das oft zitierte »Verbrechen unter Hypnose« ist also nicht möglich. 



Doch auch auf anderen Gebieten kann die Hypnose als Hilfmittel angewandt werden. So verzichten schon heute ein Teil der Zahnärzte auf die herkömmlichen Betäubungsmittel und hypnotisieren ihre Patienten. Im Hypnoseschlaf, wenn eine weitgehende Schmerzunempfindlichkeit eingetreten ist, können sie dann ohne weitere Komplikationen Zähne ziehen, Zahnstein entfernen oder eine Paradonditisbehandlung durchführen. Und noch einen weiteren Vorteil hat die Hypnosemethode: Damit der Patient keine nachträglichen Schmerzen spürt, gibt man ihm einen posthypnotischen Befehl, dass er nach dem Erwachen vollkommen schmerzfrei ist.

Besonders geeignet ist die Methode der Operation im schmerzlosen Hypnoseschlaf für Patienten, deren Kreislauf durch eine gewöhnliche Narkose übermäßig belastet würde. Auch bei Geburten wird die Betäubung durch Hypnose angewandt, um dem Neugeborene unnötige Belastungen zu ersparen.

Auch mancher Mensch mit Übergewicht verdankt der von Dr. Buhl entwickelten Hypnosetherapie ein neues Leben. Man muss die überflüssigen Kilos nicht mehr mit schweißtreibender Fitnessübungen abtrainieren. Auch Diäten oder der Einsatz von Appetitzüglern sind durch Dr. Buhl revolutionäre Therapie überflüssig geworden. Seine Erklärung: »Schon unsere ersten Gewichtsreduzierungs- Behandlungen haben großartig eingeschlagen. Wir suggerierten den Patienten im Hypnoseschlaf, dass sie vor allem ihren Flüssigkeitsverbrauch einschränken sollten. Sie verloren daraufhin im Laufe von ein bis eineinhalb Monaten bis zu sechzehn Kilogramm ihres Körpergewichtes.«

Auf die gleiche Art könnten Alkoholiker und Raucher behandelt werden. Voraussetzung ist allerdings stets, daß der Patient der Behandlung vorbehaltlos zustimmt und den festen Willen hat, abzunehmen, beziehungsweise das Trinken oder das Rauchen aufzugeben.


Hypnose wird unser Leben revolutionieren



In den meisten Fällen haben die Menschen diesen Entschluss gefasst und werden durch die starken Entzugserscheinungen wieder rückfällig. Hier bietet die Hypnose die Möglichkeit, den Patienten bei der Umsetzung seines Entschlusses zu bestärken.

Dazu kommt die Suggestion, die die Ursache des Leidens an der Wurzel packt und dem Patienten einfach den Genuss sozusagen ›vermiest‹. So suggerierte Prof. Buhl den Übergewichtigen, wie erwähnt, dass sie ihren Flüssigkeitsverbrauch einzuschränken haben. Entsprechend kann man einem Alkoholiker suggerrieren, dass ihm alkoholische Getränke nicht mehr schmecken, daß er Ekel vor ihnen empfindet. Und einem Raucher kann man auf ähnliche Art und Weise von der Zigarette abbringen.
Hypnose und Suggestion sind dabei, unser Leben zu revolutionieren. Davon sind Wissenschaftler und Mediziner felsenfest überzeugt. Immer neue Pläne werden entwickelt, darunter auch ein Programm zur Massenhypnose von Schlafgestörten, bei desssen Ausführung das Fernsehen helfen kann. Dass Hypnose per Fernsehen möglich ist, beweist drastisch ein kurioses Vorfall in England.

Dort verfolgte der 18-jährige Peter Gorden eine Sendung, in der ein Show-Hypnotisieur auftrat, der behauptete, die Zuschauer via Bildschirm hypnotiseren zu können. Peter Gordon befolgte die Anweisungen das Hypnotiseurs extrem genau und versank tatsächlich in einen tiefen Hypnoseschlaf, aus dem ihm seine entsetzten Eltern nicht wecken konnten, Erst der eilig aus dem Fernsehstudio herbeigerufene Hypnotiseur konnte ihn aus dem Trancezustand zurückholen. Auf eine ähnliche Art und Weise sollen bald wissenschaftliche Experiment durchgeführt werden. Denn 98 Prozent aller Menschen können hypnotisiert werden, ein Viertel davon auf der Stelle. Die Gehirne der restlichen Personen reagieren offenbar langsamer auf die Suggestionen.

Unvorstellbare Dimensionen eröffnen sich. Schon vor achtzig Jahren gab es in den USA Schallplatten mit diversen Suggestionen, um die Menschen von Schlafstörungen oder Ängsten zu befreien.

Eine weitere Möglichkeit, die Hypnose einzusetzen, wurde bereits in den Niederlanden und Italien erprobt – es geht darum, dass Menschen sozusagen »im Schlaf« lernen können. Denn die Informationen, die im man im Hypnoseschlaf aufgenimmt, werden unauslöschbar im Unterbewusstsein gespeichert. Das einzige Problem dabei ist, eine Hypnoseschlaftiefe zu finden, bei der es möglich ist, daß der Patient sämtliche Informationen aufnimmt, sie aber nicht sogleich wieder vergisst, wenn er aus dem Hypnoseschlaf erwacht. Denn alles was der Patient in einem hypnotisierten Zustand erlebt oder erfährt unterliegt gewöhnlich nach dem Erwachen einer totale Amnesie – das heißt, der Patient kann sich nicht erinnern, was er erlebt hat und was um ihn herum geschah, während er hypnotisert war.

ENDE



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Dienstag, 1. September 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 7


Da ist zum Beispiel der Fall Lydia C.. Als die junge Frau einen Hypnosearzt aufsuchte, war sie dreiunddreißig Jahre alt. Schlank, beinahe zerbrechlich wirkend und äußerst nervös. Sie litt seit ihrer Kindheit an chronischem Asthma.
Nur während ihrer Pubertät waren die Beschwerden zurückgegangen, doch dann hatten sie sich in ihrer alten Form wieder eingestellt.
»Da ich schon immer sehr schwächlich war«, berichtete Lydia C. dem Therapeuten, »wurde ich in der Schule vom Sportunterricht befreit und man vermied es, mir Aufgaben zu stellen, die mit körperlicher Anstrengung verbunden waren.«
Später versuchte Lydia C., ihrer Krankheit durch verschiedene Therapien Herr zu werden, zum Beispiel durch Naturheilung oder durch Inhalation. »Aber alles blieb ohne Erfolg!«, sagte sie resignierend. »Ich glaube, dass es für mein Asthma keine Heilung gibt! Ich werde niemals ein normales Leben führen können.«
Lydia C. konnte nur auf einer Spezialmatratze schlafen und musste sich jeder überflüssigen körperlichen Anstrengung enthalten. Bei feuchtem Wetter litt die junge Frau an hochgradiger Atemnot und wenn sie sich in einer großen Menschenmenge befand, fühlte sie sich überwältigt und bekam Erstickungsanfälle.
Der Arzt, der bei ihr schließlich eine Hypnosetherapie anwandte, versetzte Lydia zunächst in einen Trancezustand und befreite sie in mehreren Sitzungen von den nervösen Verkrampfungen, die durch die ständige Angst vor weiteren Anfällen entstanden war. Nach der fünften Sitzung waren diese Verkrampfungen beinahe völlig verschwunden. Nun kam der Hauptteil der Behandlung. »Sie werden die Krankheit überwinden!«, suggerierte der Therapeut der Frau im Hypnoseschlaf. »Sie werden vollkommen beschwerdefrei werden und keine Angst vor den Asthmaanfällen mehr haben.«
Diese Suggestion wurde in mehreren Sitzungen wiederholt und tatsächlich zeigte sich schon bald eine spürbare Veränderung bei der jungen Frau. Lydia C. wurde kräftiger, sie hatte mehr Appetit und ihre Asthmaanfälle wurden seltener und schwächer. 




Heilung durch Selbsthypnose


Der letzte Schritt zur Heilung war ein Kursus in Selbsthypnose, den sie besuchte. Mittels der Selbsthypnose und der Autosuggestion konnte Lydia C. nun die immer seltener auftretenden Asthmaanfälle erfolgreich selbst bekämpfen, sie stärke damit auch Selbstbewusstsein. Schon bald hatte sie den vollkommenen Sieg über die Krankheit errungen. Nach einigen Monaten war Lydia C. verheiratet und glückliche Mutter.
»Die Hypnosetherapie hat mir wirklich sehr geholfen!«, sagte sie über die Behandlung. » Bei der Geburt meines Kindes traten einige Komplikationen auf und ich hatte schreckliche Schmerzen. Mit der Selbstentspannungstechnik konnte ich diese Schmerzen soweit reduzieren, dass eine Narkose überflüssig wurde.

Die Hypnose ist vielseitig anzuwenden und immer wieder entdecken Wissenschaftler neue Anwendungsmöglichkeiten. Aber dennoch sind die Grundlagen und die Wirkungsweise der Hypnose immer noch nicht vollkommen erforscht. Noch gibt es relativ wenige Hypnosekliniken wie die des Dr. Wolfgang Schmitz, doch es werden ständig weiter Forschungen betrieben, um endlich dem Phänomen der Hypnose auf den Grund zu kommen und ihre Anwendungsmöglichkeiten im Medizinbetrieb zu erkunden.

Es ist kurz vor Mitternacht. Auf dem zahlreichen Monitoren und Bildschirmen erscheint ein heller Punkt. Dazu erklingt, vor gedämpfter, leiser Musik die warme Stimme einer Frau: »Und jetzt unsere tägliche kleine Hilfe zum Einschlafen. Bitte fixieren den Punkt. Sehen  Sie auf den Punkt und auf nichts anderes als den Punkt.«
Für einige Augenblicke hört man die leise Musik im Hintergrund erklingt wieder sie Frauenstimme: »Sie spüren, daß eine angenheme Müdigkeit in Ihnen Aufstiegt, die Müdigkeit erfaßt ihre Augenlider, sie werden schwer und schwerer, sie können sie nicht daran hindern sich zu schließen. Sie schlafen tief und fest …. Sie schlafen ein und werden am Morgen frisch und erholt aufwachen ... Sie schlafen, tief und fest und werden ...«
Die Menschen, die diese Botschaft  verfolgt haben, schlafen. Sie liegen vollkommen entspannt unter ihren Bettdecken, ihr Atem geht ruhig und gleichmäßig. Ungefähr eine Viertelstunde später wird die Stimme leiser, die Musik verklingt und die Bildschirme und Monitore schalten sich aus.
Keine phantastische Zukunftsvision, keine Erfindung eines Science Fiction-Autors.  Erstmals experimentell erprobt wurden viele der Einsatzmöglichkeiten von Hypnose in der breiten Bevölkerung von Paul Ignatjewitsch Buhl, Professor an Leningrader Universität und Chef des Kabinettes für Hypnotherapie und Elektroschlaf beim ersten medizinischen Pawlow-Institut.
Professor Buhl war einer der Ärzte, die dafür verantwortlich waren, dass die Hypnotherapie, wie er sie von ihm entwickelte Form der Behandlung nannte ihren Platz im Lehrprogramm der russischen Universitäten erhielt.
So spezialisierten sich die Lehrstühle für Psychotherapie in Moskau und Charkow auf das Thema der Hypnose, ein drittes Hypnosezentrum wurde an der Universität Leningrad geschaffen. Professor Buhl sagte dazu: »Dort bilden wir Tausende von Internisten, Hautärzten, Kinderärzten und Orthopäden speziell in der Hypnose aus. Sie lernen in einem groß angelegten Forschungsprogramm, wie sie ihre Patienten mit den Augen und den Händen heilen können. Sie brauchen keine besondere Begabung dazu, Hypnose kann jeder erlernen, der sich ernsthaft dafür interessiert.«




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Samstag, 15. August 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 6


Dr. Schmitz zählt langsam von eins bis fünf. Bei fünf öffnet Jochen B. die Augen und blickt sich in dem Raum um. Es kann sich nicht daran erinnern, was in den letzten zehn Minuten geschehen ist.
Dieser Gedächtnisschwund nach dem Erwachen aus der Hypnose ist eine durchaus übliches Phänomen. Dr. Schmitz verwickelt Jochen B. in ein Gespräch, die Zeit vergeht. Bald sind fünf Minuten vorbei. Dr. Schmitz zieht die Vorhänge am Fenster auseinander, gleißendes Sonnenlicht flutet in den Raum. Pünktlich fünf Minuten nach seinem Erwachen steht Jochen B. plötzlich auf, geht zu dem Schreibtisch und zieht die Schublade heraus.
»Was tun Sie denn mit meinem Schreibtisch?«, fragt Dr. Schmitz scheinbar empört. Jochen B. wird rot. »Ich ... ich weiß nicht... ich dachte, Sie hätten vielleicht .. einen Brief für mich dort!«
Seine Ausrede ist fadenscheinig und leicht zu durchschauen. Der Student weiß selbst nicht, was ihn dazu trieb, zu dem Schreibtisch zu gehen und die Schublade herauszuziehen. Es war der suggerierte Befehl des Hynotiseurs, der ihn dazu zwang.



Hypnose ist kein Allheilmittel


Was ist das für eine seltsame, ja beinahe unheimliche Macht, mit der man einen Menschen vollkommen in seinen Bann ziehen, ihn vollkommen dem Einfluss einer anderen Person unterwerfen kann? Wie das Experiment von Dr. Schmitz zeigt, kann man durch eine einfache Suggestion Brandblasen erzeugen, man kann aber auch das Herz eines Menschen schneller oder langsamer schlagen lassen, man kann ihm vollkommene Schmerzlosigkeit oder Schmerzüberempfindlichkeit suggerieren. Und man kann sogar hoch Einfluss auf den Menschen ausüben, nachdem das Experiment beendet ist. Man kann einen Menschen erblassen oder erröten lassen, man kann seine Atmung regeln, in den Stoffwechsel eingreifen, indem man die Tätigkeit der Verdauungsorgane manipuliert und die Muskulatur des Darmes beeinflusst. Man kann Hauterkrankungen wie Ekzeme und ähnliches zum Verschwinden bringen und nervöse Störungen beseitigen. 
Warum wenden dann also Ärzte diese Technik der Hypnose nicht häufiger an? Warum gibt es dann noch überfüllte Wartezimmer und lange Wartelisten in den Kliniken, wenn man doch mit der Hypnose derart beeindruckende Ergebnisse erzielen kann?
Zunächst einmal: Die Hypnose ist kein Wunder- oder Allheilmittel. Sie kann zwar in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt werden, doch sie hat auch ihre Grenzen. Zuerst einmal erfordert eine Behandlung durch Hypnose das vollkommene Einverständnis des Patienten, sich hypnotisieren zu lassen. Damit ist nicht nur das formale Einverständnis gemeint, sondern auch der Glaube an die Hypnose und ihre besonderen, teilweise heilenden Fähigkeiten.
Bei eine medizinischen Hypnosetherapie werden die Selbstheilungskräfte aus dem Unbewussten des Patienten mobilisiert. Dadurch kann er etwa Schmerzen besser bewältigen oder auch seelische Schwierigkeiten leichter lösen.

Der russische Professor Paul I. Buhl hat festgestellt, dass 98 Prozent aller Menschen hypnotisierbar sind, davon 25 Prozent ohne größere Umstände. Die restlichen 73 Prozent reagieren langsamer, da entweder ihre Gehirnzellen eine langsamere Reaktionsgeschwindigkeit haben oder sie bringen der Hypnose eine kritische Grundhaltung entgegen und wehren sich bewusst gegen eine Beeinflussung. Ein weiterer sehr wichtiger Faktor bei einer Hypnosetherapie ist der enge Kontakt zwischen dem Hypnosearzt und dem Patienten bestehen muss. Es ist nicht möglich, dass ein Hypnosearzt einen ihm völlig fremden Menschen in einer Sitzung von einer Viertelstunde von seinen Leiden befreit.
Der Arzt muss die Vertrauensperson des Patienten sein, dieses Vertrauensverhältnis kann oft erst in mehreren Vorbereitungssitzungen aufgebaut werden
Besonders gut durch Hypnosetherapie zu behandeln sind Krankheiten, die durch psychologische Ursachen entstanden sind. Dazu zählen nicht nur Neurosen, Alkoholismus und auch einige Hautkrankheiten. Besonders gute Ergebnisse sind bei der Behandlung von Asthmaerkrankungen zu verzeichnen, wenn die Patienten bereits im Kindesalter mit der Therapie beginnen. Aber auch Erwachsene können mit Hilfe von Hypnose von einer Asthmaerkrakung weitgehend geheilt werden.


Da ist zum Beispiel der Fall Lydia C.. Als die junge Frau einen Hypnosearzt aufsuchte, war sie dreiunddreißig Jahre alt. Schlank, beinahe zerbrechlich wirkend und äußerst nervös. Sie litt seit ihrer Kindheit an chronischem Asthma.




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Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

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Dienstag, 4. August 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 5

Jochen B. gehorcht. Sein rechter Arm bleibt in der erhobenen Position, ohne dass er auch nach einigen Minuten die geringsten Ermüdungserscheinungen zeigt. Dr. Schmitz geht einen Schritt weiter.
»Ihr Arm ist vollkommen steif!«, sagt er. »Sie können ihn nicht mehr herunternehmen! Selbst wenn Sie es wollen, Sie können ihn nicht herunternehmen! Versuchen Sie jetzt, den Arm herunterzunehmen!«
Man sieht deutlich, wie Jochen B. versucht, den Arm wieder zu senken. Seine Lippen sind zusammengekniffen und seine Stirn gerunzelt. Doch der Arm bewegt sich nicht. Jetzt lehnt sich Dr. Schmitz mit seinem vollen Körpergewicht gegen den Arm, doch seine Anstrengung ist vergeblich. Die Muskeln des Armes befinden sich in einer kataleptischen Starre, einer vollkommenen Muskelstarre.
Im Zustand der Katalepsie kann man Gliedmaßen in Stellungen bringen, die im Wachzustand kaum erträglich sind und sie stundenlang in diesem Zustand belassen, ohne dass die geringsten Ermüdungszustände auftreten.
Nicht nur die Muskeln, sondern auch die Sinnesorgane eines Menschen können durch Befehle des Hypnotiseurs gesteuert werden.
Dr. Schmitz nimmt ein Geldstück aus seinem Portemonnaie.
»Ich zähle jetzt bis drei!«, sagt Dr. Schmitz. »Bei drei können Sie ihren Arm wieder bewegen! » Dr. Schmitz zählt und tatsächlich, sobald er die Zahl drei ausgesprochen hat, fällt der Arm des Studenten auf die Couch zurück. 



Täuschung der Sinne


Jetzt legt Dr. Schmitz das Geldstück auf den entblößten Unterarm des jungen Mannes. Dabei sagt er: »Ich lege Ihnen eine Münze auf den Arm. Die Münze habe ich eben aus dem Ofen genommen. Sie ist sehr heiß!«
Der Student zuckt zusammen. Und obwohl die Münze eine völlig normale Temperatur hat, kann man, nachdem Dr. Schmitz die Münze wieder entfernt hat, eine deutliche Rötung auf der Haut erkennen. Und es bilden sich Brandblasen.
Als nächstes nimmt Dr. Schmitz eine große Zwiebel aus deinem Schreibtisch und reicht sie dem Studenten. »Es ist ein herrlicher Apfel!«, suggeriert er ihm. »Beißen Sie nur hinein!«
Jochen B. beißt herzhaft in die Zwiebel und isst voller Genuss. Keine Meine verzieht er und seine Augen tränen nicht.
Ähnlich ist bei dem Glas Wasser, das Dr. Schmitz ihm reicht. »Hier habe ich ein Glas Sekt!«, sagt er. » Erstklassige Marke. Trinken Sie nur!«
Der Student trinkt und lächelt voller Genuss, schließlich trinkt er das ganze Glas aus.
Dr. Schmitz ist noch lange nicht mit seinem Experiment am Ende. Das alles waren bisher nur Fingerübungen. Langsam beginnt er, Jochen B. auszufragen. Er tastetet sich behutsam in die Kindheit des Studenten vor. »Sie sind vier Jahre alt!'', sagt er schließlich. »Es ist der dreiundzwanzigste August 19xx. Erzählen Sie bitte genau, was Sie an diesem Tag getan haben!«
Und Jochen B. beginnt zu erzählen. Er berichtet, dass er um acht Uhr morgens aufgestanden ist und dass draußen strahlender Sonnenschein herrschte. Er beschreibt die Sachen, die seine Mutter ihm zum Anziehen gab bis ins letzte Detail und berichtet minutiös, wie er mit seinen Eltern frühstückte und dass sein jüngerer Bruder sich beim Verlassen der Wohnung den Kopf an der Tür stieß. Dr. Schmitz stoppt die Erzählung des Studenten, denn mit dieser Präzision kann Jochen B. von jedem beliebigen Tag seines Lebens erzählen. Denn während unser Verstand seine Aufmerksamkeit nur auf die Dinge richtet, die aktuell Bedeutung für uns haben, so speichert das Unterbewusstsein jede einzelne Kleinigkeit unserer Umgebung und man kann die Erinnerung daran jederzeit abberufen, wenn man die Testperson in einen Hypnoseschlaf versetzt.
Dr. Schmitz kommt nun zu seinem letzten Experimentbeispiel. Es handelt sich dabei um eine sogenannte posthypnotische Suggestion, eine Suggestion also, die nach dem Erwachen des Hypnotisierten wirksam werden soll. Dabei kann man den Zeitpunkt, an dem dieser Befehl ausgeführt wird, genau bestimmen.
»Genau fünf Minuten nachdem Sie erwacht sind, werden Sie die Schublade meines Schreibtisches öffnen!«, sagte Dr. Schmitz. »Jetzt werde ich bis fünf zählen. Sobald ich die Zahl fünf ausspreche, werden Sie erwachen.«
Dr Schmitz zählt langsam von eins bis fünf. Bei fünf öffnet Jochen B. die Augen und blickt sich in dem Raum um. Es kann sich nicht daran erinnern, was in den letzten zehn Minuten geschehen ist.



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Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

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Donnerstag, 30. Juli 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 4



Auf eine ganz besondere Art machte ein holländischer Frauenarzt von der Hypnose Gebrauch. Er hatte davon gehört, dass im tiefsten Stadium des Hypnoseschlafes bei leicht zu beeinflussenden Menschen gewisse hellseherische Zustände auftreten sollten.
Er hypnotisierte eine 23-jährige Sekretärin, die sich als besonders gutes Medium erwiesen und soeben einen positiven Schwangerschaftstest erhalten hatte.
Nachdem er die in einen tiefen Hypnoseschlaf versetzt hatte, fragte er sie: »Können Sie mir sagen, welches Geschlecht Ihr Kind haben wird? Sagen Sie mir bitte, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.«
Die Patientin zögerte zunächst, dich dann sagte sie laut und deutlich: »Es wird ein Mädchen!«
Und es wurde tatsächlich – ein Mädchen. Beeindruckt wiederholte der Arzt dieses Experiment bei 40 weiteren schwangeren Frauen. Bei dreizehn von ihnen stimmte die Vorhersage unter Hypnose mit dem tatsächlichen Geschlecht des Kindes überein!
Zufall? Gewiss liegt eine Spur von Zufall in diesen Voraussagen, denn die hellseherischen Kräfte, die manche Medien im Hypnoseschlaf entwickeln, sind nicht nachgewiesen. Viele Wissenschaftler weisen ganz entschieden die Auffassung zurück, dass es sich dabei um »Hellseherei« handelt. Sie schreiben die mitunter doch recht verblüffenden Ergebnisse dem bloßen Zufall zu.
Aber wie will man das Phänomen erklären, dass der englische Arzt Dr. Joseph W. Haddock mit einem Mädchen namens Emma erlebte. Dr. Haddock hypnotisierte Emma vor Zeugen. Nachdem er sie in Trance versetzt hatte, holte er so, dass Emma es nicht sehen konnte eine Schillingmünze aus der Tasche, nahm sie in die Faust und fragte Emma: »Was habe ich in der Hand?«
Worauf Emma erwiderte‚ als sei dies die selbstverständlichste Sache der Welt: »Nur einen Schilling, Doktor!«

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Info-Box

Albert Freiherr von Schrenck-Notzing

(1862 -1929) gilt als Pionier der Psychotherapie und der Parapsychologie. Er praktizierte als Arzt in München und widmete sich besonders der medizinischen Psychologie und war der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum.
Bekannt wurde er besonders mit seinen Hypnose-Experimenten, die er in den zwanziger Jahren durchführte. Zahlreiche prominente Zeitgenossen, wie zum Beispiel der Dichter Thomas Mann, der 1922 und 1923 gleich an drei von Schrenck-Notzings »Sitzungen« teilnahm, gehörten zu seinen Gästen.

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Der Raum in der Hypnosepraxis von Dr. Wolfgang Schmitz ist abgedunkelt. Auf der Behandlungscouch liegt der 22-jährige Medizinstudent Jochen B., der sich freiwillig für dieses Experiment zur Verfügung gestellt hat. Dr. Schmitz nimmt einen Kugelschreiber und hält ihn Jochen B. vor die Augen.
»Sehen Sie bitte diesen Stift an!«, sagt der Hypnosearzt mit ruhiger Stimme. »Sehen Sie sich genau diesen Stift an. Sie sehen nichts anderes als diesen Stift … Ja, so ist es gut!«
Man bemerkt deutlich, wie sich Jochen B. entspannt. Dr Schmitz murmelt einige Sätze, die man nicht verstehen kann. Auch Jochen B. versteht sie nicht, aber dennoch tun sie ihre Wirkung. Der Student hat die Augen geschlossen, scheint nun zu schlafen.
Der Vorgang hat kaum eine Minute gedauert und entbehrt auch jeglicher Dramatik einer Hypnose, die man Filmen oder auf der Bühne bei Show-Hypnotiseuren zu sehen bekommt. Dieser Vorgang ist etwas vollkommen normales. Ein Mensch fixiert einen Gegenstand und man suggeriert ihm, dass er müder und müder wird, man erreicht, dass er schließlich seine Augen schließt und in einen hypnotischen Schlaf versinkt.
Mit Magie oder übernatürlichen Kräften hat das alles nichts zu tun. Bis auf wenige Menschen sind wir alle zu hypnotisieren, wenn wir uns hypnotisieren lassen wollen. Genauso kann auch jeder die Technik der Hypnose erlernen und anwenden.
Jochen B. atmet jetzt ruhig und gleichmäßig. Er liegt locker und entspannt auf der Couch. Dieser Zustand wird als Somnambulismus bezeichnet. Es ist ein tiefer Trancezustand, in dem der eigene Wille des Hypnotisiertem vollkommen ausgeschaltet ist und er mit gewissen Einschränkungen alles tun wird, was der Hypnotiseur ihm suggeriert.
Dr. Wolfgang Schmitz demonstriert dies zunächst en einem einfachen Beispiel.
»Bitte heben Sie den rechten Arm in die Höhe!«
Jochen B. gehorcht. Sein rechter Arm bleibt in der erhobenen Position, ohne dass er auch nach einigen Minuten die geringsten Ermüdungserscheinungen zeigt. Dr. Schmitz geht einen Schritt weiter...



Donnerstag, 23. Juli 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 3

Die Macht der Hypnose - Teil 3



Und tatsächlich – die Aufgeweckte sah nur noch die Halsstümpfe ihrer Mitmenschen. Sie wäre darüber beinahe wahnsinnig geworden, hätte man sie nicht rechtzeitig mit einer Gegensuggestion behandelt.
Es ist verständlich, dass dieses unheimliche Phänomen der Menschenbeeinflussung und Suggestion immer wieder von Schriftstellern in ihren Werken aufgegriffen.
 

So erschien 1894 der Roman »Trilby« des englischen Autors George du Maurier (1834 – 1896). Es ist Geschichte der hübschen jungen Trilby, die im Pariser Quartier Latin als Modell für Maler arbeitet und dort in den Bann des dämonischen Musikers Svengali gerät. Er macht sich die junge Frau durch Hypnose hörig, und dank seiner Suggestion wird Trilby, die in Wirklichkeit keine Note singen kann, zu einer bekannten Sängerin. Trilby ist ganz und gar Svengalis Geschöpf, dass sie keinen Ton mehr herausbringt, als Svengali plötzlich stirbt.


Hypnose – was sie kann und was nicht


Dies ist natürlich nicht möglich – die Hypnose mag eine hilfreiche und mitunter verblüffende psychologische Technik sein, aber sie ich nicht allmächtig. So ist es zum Beispiel unmöglich, einem Menschen zu suggerieren, dass er ein Verbrechen begehen soll. Denn unser Unterbewusstsein wehrt sich gegen alle Beeinflussungen, die sich gegen unsere sittlichen und moralischen Vorstellungen richten. So kann man einem vollkommen überzeugten Antialkoholiker nicht den Befehl geben, sich zu betrinken. Man kann ihm höchstens suggerieren, am nächsten Tag mit einem Bierkrug in der Hand in die nächste Kneipe zu gehen, um sich Bier zu holen, doch sobald man ihm suggeriert, dass er den Krug auch austrinken soll, wird die Person sich weigern.
Der Psychologe Ernst Nowotny (1915-2009) sagte dazu: »Der Einfluss der Hypnose hat ihre Grenzen. Der Hypnotiseur kann bei einem Medium etwa keine neuen Fertigkeiten erwecken, die langwierige Erfahrungen oder intensives Lernen voraussetzen. Hier kommen wir in den Bereich der Selbstsuggestion, denn indem wir uns das Buch unters Kopfkissen legen, werden wir an das Gedicht denken, das wir lernen sollen. Damit erinnert sich unser Unterbewusstsein immer wieder die Strophen, die wir am Tage gelesen haben.«
Somit hat dieser »Geheimtipp« nichts mit Hexerei zu tun, sondern es handelt sich um eine simple, kleine Autosuggestion. Wissenschaftler haben davon ausgehend ein Verfahren entwickelt, mit dem wir besonders Fremdsprachen sehr viel schneller lernen kann können. Man hat das Buch unter dem Kopfkissen einfach durch einem Kopfhörer ersetzt‚ der mit einem Wiedergabegerät verbunden ist. Sobald man eingeschlafen ist und die Phase des Tiefschlafes erreicht hat, schaltet sich das Gerät automatisch ein spielt für einige Stunden eine Liste von Vokabeln ab. Bei Experimenten mit dieser Technik fand man heraus, dass Versuchspersonen, die zum Beispiel russische Vokabeln gehört hatten, auf einmal ohne Schwierigkeiten die deutsche Bedeutung von gewissen russischen Worten nennen konnten. Sie konnten sich nicht erinnern, woher sie dieses Wissen hatten. Sie wiederholten nur, was sie in der Nacht in einem Zustand, der mit dem Hypnoseschlaf zu vergleichen ist, gehört hatten und was in ihren Unterbewusstsein gespeichert war.
Auf eine ganz besondere Art machte ein holländischer Frauenarzt von der Hypnose Gebrauch.


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Die Achtziger – das waren die Jahre, als man noch überall rauchen durfte, der Marlboro-Mann und der Camel-Tramp im Kino Werbung machten und die Hollywood-Hits »Dirty Dancing«, »Shining« und »Zurück in die Zukunft« hießen. Zum Telefonieren benutzte man Festnetztelefone, und wenn man unterwegs war, musste man sich zum Anrufen eine Telefonzelle suchen – das waren gelbe Kabinen mit einem Münztelefon und einem gestohlenen Telefonbuch.

Die Achtziger – das sind die Jahre von Horst »Schimmi« Schimanski, von Kreml-Flieger Mathias Rust, dem Tod von Uwe »Ehrenwort« Barschel und dem Beginn der langen Ära Helmut »Birne« Kohl, der uns als Bundeskanzler durch die deutsche Wiedervereinigung am Ende des Jahrzehntes führte.

Zwei Dutzend clevere Kriminalstorys aus der guten alten Zeit – als im Fernsehen immer dienstags »Dallas« lief und freitags »Derrick« ermittelte. Die Hits des Jahrzehntes waren »Take On Me« von a-ha, Nena mit »99 Luftballons« und natürlich »Jeanny« von Falco. Wie immer zu Ihrem Vergnügen ausgesucht und zusammengestellt von Krimikenner H.P. Karr.




Montag, 20. Juli 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 2

Langsam beginnt Professor Schrenck-Notzing zu zählen. Gespannt sehen seine Gäste, wie Linas Augenlider zittern und sich schließlich bei der Zahl Zwanzig öffnen.
Lina setzt sich auf und blickt in die Runde, während Schrenck-Notzing die Vorhänge aufzieht. »Wo ist denn Dr. Schneider?«, fragte Lina. »Er saß doch vorhin nicht auf diesem Stuhl hier!«



Ein Gast ist verschwunden


Sie deutet auf den Stuhl, auf dem der Dr Schneider sitzt. Der junge Mann starrt das Mädchen fassungslos an. »Aber ich bin doch hier, Fräulein Lina!«, sagt er. Doch Lina scheint seine Stimme nicht zu hören.
»Kommen Sie«, sagte der Professor. »Wir wollen nach nebenan gehen.«
Die Gäste erheben sich und folgen ihrem Gastgeber in den Salon. Dort geschieht es dann plötzlich: Lina stößt, als sie zu einer Kommode gehen möchte, an Dr. Schneider. Sie erstarrt und weicht zurück. »Was … was ist das?«, presst die hervor.
Dr. Schneider, der es immer noch nicht fassen, dass Lina ihn ganz offensichtlich nicht sieht, nimmt eine Schale mit Konfekt von der Kommode und reicht sie Lina. Das Mädchen schreit auf.
»Bin ich verrückt? Die Konfektschale, sie schwebt in der Luft!«
Professor Schrenck-Notzing hält es für angebracht, das Experiment zu beenden.
Er sagt: »Unter einer Palme kann man gut in der Sonne liegen« Das Stichwort ist nun gefallen. Man sieht deutlich, wie Lina erschrickt. Sie kann jetzt Dr. Schneider wieder sehen, wie er vor ihr steht und ihr die Konfektschale entgegenhält.
»Da ... da sind Sie ja, Dr. Schneider!«, sagt sie unsicher. »Ich dachte, Sie seien hinausgegangen.«
Man sieht deutlich, wie sehr Lina von dem Geschehen betroffen ist. Professor Schrenck-Notzing bittet Lina, Platz zu nehmen und wendet sich dann an seine Gäste: »Was Sie eben beobachten konnten, nenne ich ein Entmaterialisationsphänomen!«, erklärt er. »Suggeriert man einem Menschen, er könne eine bestimmte Person oder einen bestimmten Gegenstand nicht mehr sehen, so sieht er ihn einfach nicht mehr!''
Das Mädchen Lina kann dies nur bestätigen. »Selbstverständlich«, fährt Schrenck-Notzing fort, »kann diese Halluzination nicht soweit gehen, dass die hypnotisierte Person einfach durch die Person, die sie nicht mehr sieht, hindurchgehen kann. Sie haben ja selbst gesehen, dass Lina mit Dr. Schneider zusammenstieß und dass sie diesen Zusammenstoß spürte. Ein weiteres interessantes Phänomen ist dabei, dass die hypnotisierte Person den Hintergrund, vor dem die ›unsichtbare‹ Person steht, einfach in ihrem Hirn rekonstruiert und ersetzt.«
Lina bestätigt das. Sie habe eben tatsächlich statt Dr. Schneider einen leeren Stuhl gesehen, sogar den Bezug der Sitzfläche kann sie beschreiben.



Hypnose - ein machtvolles Instrument


»Natürlich kann man diese Phänomen auch umkehren!«, sagt Dr. Schrenck-Notzing. »Man suggeriert dem Hypnotisierten zum Beispiel, dass eine weitere Person in den Raum gekommen ist, oder dass man einige Möbel umgeräumt hat. Man kann wirklich verblüffende Experimente mit diesem Phänomen anstellen.«
Heute sind die »Objektbildung« und die »Objektverneinung weitgehend bekannte Phänomene der Hypnose. Aber dennoch rufen sie bei uns stets ein leichtes Unbehagen hervor, wenn wir sehen, welche Macht die Hypnose auf uns ausüben kann. Besonders Show-Hypnotiseure setzen bei ihren Auftritten auf solche spektakulären Effekte.
So wurde zum Beispiel ein Fall aus Schweden bekannt, der zeigte welche unheimliche Macht die Hypnose auf einen Menschen ausüben kann. Dort suggerierte ein gewissenloser Hypnotiseur einer jungen Frau, dass sie nach dem Erwachen alle Menschen nur noch ohne Köpfe sehen würde. Und tatsächlich – die Aufgeweckte sah nur noch die Halsstümpfe ihrer Mitmenschen. Sie wäre darüber beinahe wahnsinnig geworden, hätte man sie nicht rechtzeitig mit einer Gegensuggestion behandelt. 


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Samstag, 18. Juli 2020

Die Macht der Hypnose - Teil 1

Die Macht der Hypnose 



»Heute Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren, möchte ich Ihnen ein ganz besonderes Phänomen der Hypnose vorführen!« Der Mann, der im August 1922 diese Worte zu seinen Gästen spricht, ist der Münchener Professor Dr. Albert Freiherr von Schrenck-Notzing (1862 – 1929)
   Die Besucher, die sich in seiner Münchener Praxis zusammengefunden haben, sind bereit, Schrenck-Notzings Ankündigungen Glauben zu schenken, denn der bekannte Arzt und Parapsychologe hat schon mehrere Male durch verblüffende und manchmal sogar unheimlich wirkende Vorführungen der Hypnose das Erstaunen seiner Kollegen erregt.
   »Darf ich bitten!«
   Der Freiherr bittet seine Gäste, allesamt namhafte Wissenschaftler, in ein Nebenzimmer. Die Vorhänge sind zugezogen, nur eine einzige Gasflamme erhellt den Raum. Wände und Einrichtung sind in dunklen Farben gehalten. Die Wissenschaftler nehmen auf den Stühlen Platz, die im Halbkreis um die Couch an der Seitenwand aufgestellt sind.
   Professor Schrenck-Notzing führt nun ein ausnehmend hübsches, junges Mädchen herein.
   »Dies ist Fräulein Lina!«, stellt er sie den Anwesenden vor. Lina macht einen artigen Knicks. »Sie hat bereits Erfahrungen mit der Hypnose gemacht«, erläutert er, »und hat sich als besonders zugängliches Medium erwiesen!« Er schaut in die Runde und deutet auf einen jungen Mann im eleganten Anzug. »Lina, darf ich dir Dr. Schneider vorstellen?«
   Der junge Mann erhebt sich auf ein Zeichen des Professor und deutet eine Verbeugung an. »Sehr erfreut.«
   »Kommen wir nun zu unserem heutigen Experiment«, sagt Schrenck-Notzing, nachdem der junge Mann sich wieder gesetzt hat.
   Lina legt sich auf die Couch. Der Professor nimmt nun einen goldenen Ring, der an einem Faden hängt und lässt ihn vor Linas Augen leicht hin und herschwingen. »Sehen Sie bitte auf den Ring, auf nichts anderes als auf den Ring, Sie sehen nur noch den Ring!'' Schrenck-Notzings Stimme ist leise und monoton, aber dennoch fordernd. Die Gäste des Freiherrn schweigen. »Sie spüren, wie Ihre Augenlider schwerer und schwerer werden, schwerer und schwerer, schwerer und schwerer!« Und schließlich: »Sie schlafen, Lina, Sie schlafen fest und tief und hören nur noch meine Stimme. Hören Sie meine Stimme, Lina?«
   Das Mädchen liegt vollkommen entspannt auf der Couch, die Augen sind geschlossen, der Atem geht ruhig und gleichmäßig.
   »Ja, ich höre sie!«, sagt Lina.

Albert von Keller - Hypnose bei Schrenck-Notzing - ca1885
Albert von Keller - Hypnose bei Schrenck-Notzing - ca1885

 »Wenn Sie erwachen, werden Sie den hier anwesenden Dr. Schneider nicht mehr sehen«, sagt Dr. Schrenck-Notzing nun. Ein leises Raunen geht durch die Reihe der Gäste. »Sie werden Dr. Schneider nicht mehr erkennen!«, wiederholt der Schrenck-Notzing die Anweisung. »Er ist einfach nicht mehr für Sie da! Erst wenn ich das Wort ›Palme‹ ausspreche, können Sie Dr. Schneider wieder sehen.« Es ist totenstill. »Ich werde Sie jetzt erwachen lassen!« sagt Schrenck-Notzing. »Sobald ich die Zahl zwanzig ausgesprochen habe, werden sie erwachen und sich an nichts mehr erinnern, was während der Hypnose geschehen ist.
   Langsam beginnt Professor Schrenck-Notzing zu zählen. Gespannt sehen seine Gäste, wie Linas Augenlider zittern und sich schließlich bei der Zahl Zwanzig öffnen.



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Freitag, 27. September 2019

Essen Frohnhausen:
»Krupphausen« sagte man

Frohnhausen früher

Die heutige Gemarkung Frohnhausen wurde um Christi Geburt zunächst von dem germanischen Stamm der Sigamberer und nach deren Umsiedlung durch die Römer von den Brukteren bewohnt, die sich später dem Bunde der sächsischen Stämme anschlossen. Der Mühlenbach im Süden und Westen Frohnhausens ist dann zum Grenzfluss zwischen den sächsisch besiedelten Gebieten wie Frohnhausen und Holsterhausen und dem westlich davon gelegenen fränkischen Bereich geworden.
Frohnhausens Geschichte ist im 8. und 9. Jahrhundert eng mit der Existenz des Oberhofes Ehrenzelle — ursprünglich Erinzele, d. h. Saal des Erin — verbunden, der sich in unmittelbarer Nähe des heutigen Krämerplatzes befand. Zum Ehrenzeller Oberhof gehörten nun folgende drei Bauernschaften:
  • 1. Altendorf, d. h. das alte Dorf: die älteste Siedlung nordwestlich vom Oberhof am Panstbach gelegen,
  • 2. Frohnhausen, unweit der Quelle des Panstbaches und
  • 3. Holsterhausen, das sich südlich und südöstlich anschloss.
Altendorf und Frohnhausen stellten je eine überwiegend geschlossene Siedlung dar, Holsterhausen, nur blieb nur dünn besiedelt.

825

Die Einwohner Frohnhausens waren frondienstpflichtige, gemeine Freie, die Hand- und Spanndienste für den Oberhof Ehrenzelle zu leisten hatten und außerdem noch zur Zehntzahlung verpflichtet waren. Nachdem Kaiser Otto I. dem 852 gegründeten Stift Asnide / Essen den Oberhof Ehrenzelle gewissermaßen als wirtschaftlichen Lebensunterhalt zugesprochen hatte, war die Geschichte Altendorfs und Frohnhausens für fast ein Jahrtausend eng mit dem Geschick des Essener Stiftes verbunden.

1300

Schon Karl der Große hatte einen Nebenweg zum bekannten Hellweg anlegen lassen. Dieser Nebenweg folgte mit großer Wahrscheinlichkeit etwa der Trasse der heutigen Frohnhauser Straße. Hier siedelten sich mehrere Höfe an, die eng beieinander an der Kreuzung der heutigen Frohnhauser und Lüneburger Straße gruppiert waren. Es handelte sich also um eine geschlossene Bauernschaft am Quellgebiet des bereits erwähnten Panstbaches (etwa an der Gabelung der Frohnhauser und Riehlstraße), die in ihren Grundzügen um 1300 fest umrissen war.

Mit diesen Höfen sind später die zum Teil heute noch in Frohnhausen gängigen Familiennamen wie Niermann, Buse, Potthoff, Ridder, Pollerberg usw. verbunden. Der erwähnte Panstbach, der heute versiegt ist, floss durch die Bärendelle nach Norden und vereinigte sich dort mit dem Sälzerbach. Unabhängig von dieser geschlossenen Frohnhauser Siedlung befanden sich in einiger Entfernung westlich die drei Einzelniederlassungen Pottgießer, Overrath und Grote.

Selbstverständlich siedelten sich auch Fröhner des Stiftes Essen in Frohnhausen an. Es hat sich also um eine landwirtschaftliche Erwerbstätigkeit gehandelt, für die die guten Bodenverhältnisse förderlich waren.

Im Vergleich hierzu hat der Steinkohlenabbau nur eine relativ untergeordnete Rolle in Frohnhausen gespielt, obgleich — z. B. am Wiesenberg an der Wickenburg — die Kohlenflöze offen zu Tage traten. Im übrigen ist der Abbau in Form eine Pütts (Brunnenschacht mit Haspelbetrieb bei nur geringer Schachttiefe) mindestens seit 1575 für die ehemalige jenseits der Frohnhauser Gemarkungsgrenze auf Altendorfer Gebiet liegende Zeche Hagenbeck nachweisbar.

Der Kohlenverkauf erfolgte an die Bauern der Umgebung zu Heizzwecken, die Kohlen wurden in Säcken auf Pferden transportiert. Zweite und dritte Söhne von Hofbauern und Köttern suchten hier Arbeit und Auskommen. Bereits Äbtissin Irmgard von Diepholz erließ eine Verordnung zum Kohleabbau, der sich vornehmlich auf dem Altendorfer Gemarkungsgebiet befand, die späteren preußischen Bergämter haben dem Bergmann für die damaligen Verhältnisse eine gesicherte rechtliche Existenz geschaffen.

1802

Im Jahre 1802 wurde Essen dem preußischen Staat einverleibt, Frohnhausen, Altendorf und Holsterhausen wurden aber nicht dem Stadtgebiet Essen, sondern der Bürgermeisterei Borbeck zugeschlagen. Erst ab 1. 1. 1874 bildeten die drei Bauernschaften die selbständige Bürgermeisterei Altendorf/Frohnhausen (Bürgermeister Wilhelm Kerckhoff).
Am 1. 8. 1901 erfolgte die Eingemeindung nach Essen, wodurch die Stadt Essen wichtiges Siedlungsgebiet erhielt.

1900

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich bekanntlich die Kruppsche Fabrik etabliert und sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Großbetrieb entwickelt. Daraus ergab sich für Frohnhausen auf die Dauer eine völlige wirtschaftliche Umstrukturierung: Zählte Frohnhausen 1822 nur etwa 550 Einwohner, so hatte sich diese Zahl 1895 bereits auf rund 5700 erhöht. 1910 waren es 29000 und 1925 etwa 42 000. Wesentliche Teile der Kruppschen Mitarbeiter siedelten sich in Frohnhausen an; aus Bauernland wurde Siedlungsgebiet, zahlreiche Bauern wurden Millionäre durch Landverkauf oder begründeten handwerkliche Existenzen. Bereits vor dem ersten Weltkrieg ist hier die Landwirtschaft bis auf kleine Reste zum Erliegen gekommen. 1910 Verkehrstechnisch war die Errichtung des Bahnhofes »Kronenberg« an der Bergisch-Märkischen Bahnstrecke von Duisburg über Mülheim, Essen nach Dortmund von wesentlicher Bedeutung, der alte Bahnhof wurde erst 1910 durch den Neubau des heutigen Bahnhofes Essen-West ersetzt. 1898 wurde die erste Straßenbahn angelegt. 1875/76 hatte man das Bürgermeisteramt = Rathaus auf dem Altendorfer Platz errichtet, wo sich heute die Kirche Maria Geburt befindet. :

An kirchlichen Bauten auf Frohnhauser Gebiet ist zunächst die alte katholische Antoniuskirche, Ecke Kölner und Berliner Straße, zu nennen. Sie wurde 1879/81 errichtet und im Weltkrieg II bis auf den Turm zerstört. Als älteste evangelische Kirche in Frohnhausen ist die Lutherkirche am Westbahnhof zu erwähnen, eingeweiht am 3. 12. 1882, an deren Baukosten sich die Firma Krupp und die Zechenverwaltung Hagenbeck wesentlich beteiligten.

Bis 1877 hatten die Evangelischen in Frohnhausen zur Kirchengemeinde Borbeck gehört. Es folgte 1913 die Apostelkirche, die an gleicher Stelle nach Kriegszerstörung zusammen mit einem Gemeindezentrum neu entstand. Als dritte evangelische Kirche. in Frohnhausen ist die 1962 errichtete Markuskirche mit Gemeindezentrum am Postreitweg zu nennen.
Lüthgen sen.


»Krupphausen« sagte man

Die Geschichte Frohnhausens ist eng mit der Firma Krupp verbunden. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts beginnt Krupp damit, für seine Arbeiter Wohnungen zu bauen. So entstehen die Siedlungen Westend (1863), Nordhof (1871), Schederhof und Kronenberg (1872).

An diese Siedlungen erinnert sich auch noch Frau Sch., eine alte Frohnhauserin: »In Schederhof wohnten doch -zig Kruppianer. Das war eine rein Kruppsche Siedlung. Hinter dem Essen Wester Bahnhof lag die Krupp-Siedlung Kronenberg. Dort habe ich 1932 gewohnt. Es war ein viereckiger Block, mit einem Marktplatz in der Mitte.«

Um die Jahrhundertwende herrschte in Essen, besonders im Westen, rege Bautätigkeit. Um diese Zeit machte auch ein Spottvers die Runde, den uns Frau Sch. erzählte:
»Ach Essen, liebes Essen
Kanonenmetropol
Wie ist in Deinen Mauern
Mir alle Zeit so wohl
Doch auf den schönen Straßen
Man sich fast den Hals zerbricht
Geflickt ward daran immer
Doch fertig werden sie nicht.«




1900

Man sieht, dass man früher die gleichen Sorgen hatte wie heute. Bis 1920 war Essen-West vollständig bebaut. An das Aussehen Frohnhausens um diese Zeit erinnert sich Frau T.: »Das Leben ging früher hier genauso, es war sehr schwer eine Wohnung zu bekommen. Auf der Frohnhauser Straße gab es schon Spitte, Frau Hemsing und Schuster Sonntag, der war allerdings auf der anderen Straßenseite, dort, wo heute das Lampengeschäft ist. Damals war auch noch das Gelände um die Riehlstraße frei, dort baute Krupp gerade seine Häuser. Die Straßenbahn fuhr schon seit 1912 elektrisch. Eine Fahrt bis zum Limbecker Platz kostete 5 Pfennige, doch später wurde der Preis auf 20 Pfennige erhöht. Am Gervinusplatz gab es die Drogerie Rost. Auch den Gervinusfriedhof gab es schon, aber er war nicht der Hauptfriedhof von Frohnhausen. Dort wurden Angehörige beider Konfessionen beerdigt; er war mehr für die alteingesessenen Bürger, wie zum Beispiel den Herrn Silberkuhl. Das war ein großer Landwirt, denn damals war dort, wo heute die katholische Kirche (Mariä Geburt) steht, alles noch Land. In der Nähe stand auch das alte Essen-Wester Rathaus.«

Auch Frau K. erinnert sich noch genau an das alte Frohnhausen: »Mein Vater hat damals die beiden Grundstücke Ecke Berliner/Frohnhauser und Breslauer/Frohnhauser Straße erworben. Dort war damals noch Wiese. Auch die Frohnhauser Straße war noch nicht so gut ausgebaut. In der Berliner Straße, wo heute Phillipsenburg ist, gab es damals noch eine Hufschmiede. Aber es gab nicht mehr viele Bauernhöfe, denn die hatten ja schon 1900 an Krupp verkauft, als er hier zu bauen anfing.«


1912 

Am 8. August 1912 ist ein großer Tag für Alfred Krupp von Bohlen und Halbach, und somit auch für die Stadt Essen: Der Kaiser Wilhelm Il. kommt zu einer Besichtigung der Kruppschen Panzerwerke. Der Krupp-Konzern hat sich inzwischen immer weiter ausgedehnt, 1913 umfasst er eine Belegschaft von 77500 Menschen und macht einen Umsatz von 441 Millionen Goldmark! 1913 Das Presbyterium Dr. Sander von der Linden Berndt Amme Heine Dieckhäuer Hahn Iding Haas Einert Stöbener Naescher Claas Binge

Frau Sch., die damals bei Krupp beschäftigt war, kennt noch die Reime, die zu dieser Zeit im Betrieb herumgingen:
»Lieber Alfred
Du sorgst für alles
Ohne Dich stünden wir elend am Dalles
Du bist der Vater
stillst Hunger und Durst
Gut schmeckt Dein Brot
Noch besser die Wurst!«


Oder:
»Krupp alle Wege
Krupp überall
Krupp heißt die Wohnung, der Keller, der Stall.«


Eine Kruppsche Wohnung kostete vor dem ersten Weltkrieg 24 Mark und umfasste 3 Räume. Im Kruppschen Konsum bekam man ein Brötchen für 2 Pfennige, ein kleines Kassler-Brot kostete 35, ein großes 68 Pfennige. Aber auch der Verdienst der Arbeiter lag niedriger, ungefähr bei 100 Mark für, 14 Tage.

1913

In das Jahr 1913 fiel auch die Einweihung der neu erbauten Apostelkirche. Doch schon ein Jahr später begann der I. Weltkrieg. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Parteien, wie etwa der Kapp-Putsch, der Einmarsch der Franzosen mit dem Blutbad in der Krupp-Verwaltung und die Verhaftung des Kruppschen Führungsstabes gehörten zu der Zeit nach dem Kriege genauso wie die Inflation. Bald wirkte sich auch Hitlers Machtergreifung auf unsere Gemeinde aus, denn 1933 zogen die »Deutschen Christen« in das Presbyterium und die Verwaltung ein, um die Kirche gleichzuschalten. In dieser Zeit bildete sich die »Bekennende Gemeinde von Essen-Altenessen«, die einen besonders starken Rückhalt in Frohnhausen fand.

 1939

Doch bald schon zog sich Hitler von der Kirche zurück, und es gelang, Anhänger der »Bekennenden Kirche« in die Presbyterien zu wählen. So kam das Jahr 1939 und mit ihm der 2. Weltkrieg. Nach einer anfänglichen Ruhe setzten bald die Luftangriffe auf Essen ein. Sie wurden mit der Zeit immer stärker, und ihnen fielen die meisten Kirchen Essens zum Opfer.

1944

Am 26. März 1944 war die Apostelkirche an der Reihe. Nach dem Angriff standen nur noch der Turm und die Rückwand der Kirche. Von nun ab wurden die Gottesdienste im Gemeindesaal in der Bentheimer Straße abgehalten, der aber auch bald zerstört wurde. Seit Anfang 1945 lag Essen unter direktem Feindbeschuss und Tiefflieger griffen an. Die schlimmsten Verwüstungen richtete ein Tagesangriff am 11. März an. In Frohnhausen funktionierte kein Telefon mehr, die Wasserversorgung war lahmgelegt, keine Straßenbahn fuhr mehr. Dann kam die Anweisung, die Stadt sei von der Zivilbevölkerung zu räumen.

1949 

Im Jahr 1949 wurde auf dem Fundament des zerstörten Gemeindehauses die Apostelnotkirche errichtet, ein Geschenk der »Reformierten Kirche Nordamerikas«. Später machte man sich daran, die zerstörte Apostelkirche nach den Originalplänen ihres Erbauers, Ewald Wachenfeld, zu rekonstruieren. Am 3. November 1958 konnte sie dann wieder eingeweiht werden.
R. Jahn

Frohnhausen früher
erschienen in

Gemeindespiegel der ev. Kirchengemeinde Essen Frohnhausen Ausgabe Januar 1972 Januar 72/51
sowie in 
frohnhauser familienpost
Oktober 1973
© by author / R. Jahn






 

Frohnhausen im Jahre 2004


»Brandneu, brandheiß!« rufen die mit einem schwarzen Talar bekleideten Zeitungsverkäufer auf dem Platz vor der Apostelkirche. »Brandaktuell, die neueste Ausgabe des GEMEINDESPIEGEL!«

Die Passanten springen von ihren elektrischen Laufbändern, um noch ein Exemplar zu bekommen. Es ist das neuste Heft mit dem Datum vom 24. März 2004. Die Titelzeile verkündet: »Apostelkirche unter Denkmalsschutz!«

Ja, der GEMEINDESPIEGEL ist bekannt geworden. Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts war er bereits über das gesamte europäische Festland verbreitet. Doch 1997 gelang ihm dann endlich der Sprung nach Amerika. Seitdem erscheint die 300 Seiten starke Zeitschrift mit den dreidimensionalen Bildern in fast allen Ländern der Erde und wird in sämtliche Kultursprachen übersetzt. Frohnhausen ist zum theologischen Mittelpunkt der Welt geworden. Es vergeht keine Woche, in der nicht kirchliche Würdenträger zu einem der zahlreichen Kongresse anreisen, die in der neuerbauten CHURCHHALL in der Nähe des Berzelius-Platzes stattfinden.

Auch städtebaulich hat sich unser Stadtteil verändert. Nachdem 1990 zur Bekämpfung der Luftverschmutzung eine riesige Plexiglas-Kuppel über Essen gespannt wurde, ist es strengstens verboten, im Stadtgebiet mit veralteten Verbrennungsmotoren zu arbeiten. Auch das Rauchen außerhalb der staatlichen Rauchersalons wird mit einem Bußgeld geahndet. Bis auf die Frohnhauser, die Berliner und die Mülheimer Straße sind alle Straßen in Rasenflächen verwandelt worden. Die Bürgersteige wurden durch elektrische Laufbänder ersetzt und statt Autos benutzt man leitstrahlgesteuerte Kabinen, die man auf dem Gervinusplatz ‚mieten kann... Frohnhausen ist ein reines Wohnviertel geworden, die Geschäfte sind gänzlich verschwunden. Alle Dinge, die man benötigt, werden beim INTERNATIONALEN-WARENHAUS-KONZERN bestellt und schnellstens per Rohrpost zugesandt. Lediglich der Versand von Möbeln bereitet noch Schwierigkeiten.

Auf dem Frohnhauser Marktplatz ist das neue Redaktionshochhaus des GEMEINDESPIEGEL errichtet worden, in dem die ca. 12.000 fest angestellten Mitarbeiter stets an der neuesten Ausgabe arbeiten, denn eine Zeitschrift, die mit einer Auflage von 50 Millionen erscheint, muss für jeden Geschmack etwas bieten.

In der Empfangshalle hängen eingerahmt noch einige Exemplare des GEMEINDESPIEGEL von 1971, jenem Jahr, in dem der kometenhafte Aufstieg unseres Blattes begann.

Besonderes Aufsehen erregte die Einführung des Predigt-Automaten im Jahre 2001 in der Apostelkirche. Nachdem man das vollkommen veraltete Kirchengestühl entfernt hatte, wurde für jeden Kirchenbesucher ein Schalensessel aufgestellt, in dessen linker Lehne ein kleiner roter Knopf angebracht ist. Gefällt dem einzelnen nun die Sonntagspredigt des jeweiligen Pfarrers nicht, so braucht or nur diesen Knopf zu drücken. Sobald 45 Personen gedrückt haben, leuchtet eine rote Tafel auf, und ein anderer Pfarrer beginnt seine Predigt. Seit Einführung dieses Systems ist der Kirchenbesuch derart rapide angestiegen, dass die Apostelkirche jeden Sonntag heillos überfüllt war, bis man sich entschloss, die Predigten per Fernsehen in die Notkirche und den Gemeindesaal im Apostelhaus zu übertragen. Ja, es stimmt schon, was unser Pfarrer in seiner Predigt am vergangenen Sonntag sagte, bevor die rote Tafel aufleuchtete: Was heute Routine ist, hätte man sich 1972 nicht träumen lassen!
R. Jahn


Frohnhausen im Jahre 2004
erschienen in:
Gemeindespiegel
der ev. Kirchengemeinde Essen Frohnhausen
Ausgabe März 1973
© by author / R. Jahn







Westdeutsche Allgemeine: Der »Gemeindespiegel‚der evangelischen Kirchengemeinde Frohnhausen« in seiner letzten Ausgabe in einem satirischen  Science-Fiction-Bericht über die Gemeinde im Jahre 2004:

»Besonderes Aufsehen erregte die Einführung des Predigt-Automaten im Jahre 2001 in der Apostelkirche. Nachdem man das vollkommen veraltete Kirchengestühl entfernt hatte, wurde für jeden Kirchenbesucher ein Schalensessel aufgestellt, in dessen linker Lehne ein kleiner roter Knopf angebracht ist. Gefällt dem einzelnen nun die Sonntagspredigt des jeweiligen Pfarrers nicht, so braucht or nur diesen Knopf zu drücken. Sobald 45 Personen gedrückt haben, leuchtet eine rote Tafel auf, und ein anderer Pfarrer beginnt seine Predigt. Seit Einführung dieses Systems ist der Kirchenbesuch derart rapide angestiegen, dass die Apostelkirche jeden Sonntag heillos überfüllt war, bis man sich entschloss, die Predigten per Fernsehen in die Notkirche und den Gemeindesaal im Apostelhaus zu übertragen.